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Der Sprung

Roman

Cover Der Sprung
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Eine junge Frau steht auf einem Dach und weigert sich herunterzukommen. Was geht in ihr vor? Will sie springen? Die Polizei riegelt das Gebäude ab, Schaulustige johlen, zücken ihre Handys. Der Freund der Frau, ihre Schwester, ein Polizist und sieben andere Menschen, die nah oder entfernt mit ihr zu tun haben, geraten aus dem Tritt. Sie fallen aus den Routinen ihres Alltags, verlieren den Halt ...
Werbliche Überschrift
»Ihre Anwesenheit beunruhigte ihn. Das war es, was er am meisten an ihr mochte.«

Beschreibung
Eine junge Frau steht auf einem Dach und weigert sich herunterzukommen. Was geht in ihr vor? Will sie springen? Die Polizei riegelt das Gebäude ab, Schaulustige johlen, zücken ihre Handys. Der Freund der Frau, ihre Schwester, ein Polizist und sieben andere Menschen, die nah oder entfernt mit ihr zu tun haben, geraten aus dem Tritt. Sie fallen aus den Routinen ihres Alltags, verlieren den Halt – oder stürzen sich in eine nicht mehr für möglich gehaltene Freiheit.

Cover Der Sprung
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Veröffentlicht 2019, von Simone Lappert bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-07074-3
Auflage: 1. Auflage
336 Seiten
18.4 cm x 11.6 cm

Über Simone Lappert

Simone Lappert, geboren 1985 in Aarau in der Schweiz, studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. 2014 erschien ihr Debütroman ›Wurfschatten‹, der auf der Shortlist des aspekte-Preises stand. Sie wurde mit dem Wartholz-Preis als beste Newcomerin ausgezeichnet, ist Präsidentin des Internationalen Lyrikfestivals Basel und Schweizer Kuratorin für das Lyrikprojekt ›Babelsprech.International‹. Sie lebt und arbeitet in Basel und Zürich.


Kundenrezensionen

carin amplatz-überegger

veröffentlicht am 16.10.2019

Das Buch beginnt mit dem Sprung. Es ist offenbar eine Frau, die hier springt – doch wer ist sie? Tags vor dem „Sprung“ erleben wir Momenteinblicke an einer Ecke irgendwo im Nirgendwo: da ist Felix, der Polizist, den ein düsteres Geheimnis zur Unrast ...

Das Buch beginnt mit dem Sprung. Es ist offenbar eine Frau, die hier springt – doch wer ist sie? Tags vor dem „Sprung“ erleben wir Momenteinblicke an einer Ecke irgendwo im Nirgendwo: da ist Felix, der Polizist, den ein düsteres Geheimnis zur Unrast zwingt und der seine Freundin Monika, von ihm schwanger, damit im höchsten Grad verunsichert. Roswitha, die Kaffeehausbesitzerin mit ihrem Kaffee am Platz, wo alle irgendwie zusammenkommen. Egon, ein ehemaliger Hutmacher, in dessen Geschäft nun ein Smartphoneladen eingezogen ist und der jetzt im Schlachthaus arbeitet. Finn, der Fahrradkurier, der, seit er die geheimnisvolle Pflanzenversteherin Manu kennt, nicht mehr sicher ist, ob er wirklich mit dem Fahrrad auf Welttour gehen will – oder eher bei Manu bleiben sollte. Maren, die Schneiderin, die damit zu kämpfen hat, dass ihr vormals gemütlicher, genussorientierter Hannes seit seinem 40. Geburtstag nur mehr an Sport und seinen Körper denkt. Und Theres und Hannes mit ihrem Tante-Emma-Laden, den keiner mehr braucht. Doch als Manu plötzlich am Dach eines Hauses steht, eine aufmerksame Passantin darin einen Suizidversucht sieht und sofort Polizei und Feuerwehr einschaltet, finden diese ganzen losen Geschichten zusammen, es entsteht ein Gesellschaftsbild, Schicksale werden offenbart, Freundschaften geschmiedet und zerstört, lange zurückliegende Traumata kommen ans Tageslicht, ein Leben geht zu Ende. Was ein Tag, eine unbewusste Geste, ein falscher Blick, ein richtiges Wort, alles zu ändern vermag. Mitten aus dem Leben schreibt Simone Lappert mitreißend über ganz normale Menschen wie Du und ich. Beeindruckend.

Sabine Lehnert

veröffentlicht am 10.10.2019

Simone Lapperts Buch „Der Sprung“ handelt von einer jungen Dame, die auf dem Dach eines Hauses steht, Einsatzfahrzeuge sind anwesend, Menschen stehen vor dem Haus und warten gespannt, ob sie springen wird, oder nicht. Vorab, ich finde das Buch ist gut ...

Simone Lapperts Buch „Der Sprung“ handelt von einer jungen Dame, die auf dem Dach eines Hauses steht, Einsatzfahrzeuge sind anwesend, Menschen stehen vor dem Haus und warten gespannt, ob sie springen wird, oder nicht. Vorab, ich finde das Buch ist gut geschrieben, leicht und spannend zu lesen, ich konnte es nicht weglegen. Die Verkettung der verschiedenen Charaktere ist phasenweise verwirrend, man muss nochmal zurück blättern, damit man bestimmt nichts überliest. Das Ende kam für mich sehr abrupt und unerwartet, darum habe ich auch weniger Sterne gegeben.

HEYN Leserunde Manuela Meierhofer

veröffentlicht am 21.09.2019

Zu Beginn bzw. im ersten Drittel liest sich das Buch wie eine Ansammlung von Kurzgeschichten. Viele Figuren aus unterschiedlichsten Milieus, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, werden in kurzen Kapiteln vorgestellt. Danach werden die ...

Zu Beginn bzw. im ersten Drittel liest sich das Buch wie eine Ansammlung von Kurzgeschichten. Viele Figuren aus unterschiedlichsten Milieus, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, werden in kurzen Kapiteln vorgestellt. Danach werden die losen Fäden der Geschichten langsam in Zusammenhang gebracht. Obwohl ich eigentlich keine Kurzgeschichten mag, oder vielleicht deshalb, weil es dann eh keine gewesen sind, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Locker dahin zu lesen, dennoch nie seicht. Jeder/Jede der Figuren scheint einen an der Waffel zu haben. Aber ist das im "richtigen" Leben bei genauer Betrachtung nicht genau so? Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

Petra Liebenstein

veröffentlicht am 16.09.2019

Der Sprung von Simone Lappert beginnt ganz ungewöhnlich mit dem Ende zuerst. Im ersten Kapitel erlebt man den Sprung einer Frau von einem Hausdach. Eigentlich springt sie nicht, sondern sie läuft einfach über den Rand, so als würde sie in die Luft ...

Der Sprung von Simone Lappert beginnt ganz ungewöhnlich mit dem Ende zuerst. Im ersten Kapitel erlebt man den Sprung einer Frau von einem Hausdach. Eigentlich springt sie nicht, sondern sie läuft einfach über den Rand, so als würde sie in die Luft spazieren. Und während sie fällt , gehen ihr nochmal in rasender Geschwindigkeit alle möglichen Gedanken durch den Kopf, sie erlebt den Sprung mit allen Sinnen, ganz bewusst und wir Leser mit ihr. Und dann fängt eigentlich erst die wahre Geschichte an. In kurzen Kapiteln kommen immer abwechselnd zehn Personen zu Wort, die in irgendeiner Form von diesem Ereignis betroffen sind. Da wäre unter anderem der Polizist Felix, der ausgerechnet an diesem Tag Dienst hat , als der Notruf einer Anwohnerin hereinkommt, die berichtet, dass eine lebensmüde Frau gerade dabei ist, sich von einem Dach zu stürzen. Oder das Ehepaar, das einen kleinen Lebensmittelladen hat, der schon lange nicht mehr gut läuft, was besonders dem Mann schwer zu schaffen macht und deren Laden nun von Massen von Schaulustigen gestürmt wird, die sich vor dem Haus mit der Lebensmüden auf dem Dach versammelt haben, um mit ihren Handys Bilder zu schießen oder Videos aufzunehmen, um sie auf irgendwelche Internetplattformen hochzuladen. Oder der Freund der Frau, der als einziger nicht daran glaubt, dass seine Freundin wirklich so verzweifelt ist, dass sie ihr Leben beenden möchte. Einen ganzen Tag und eine Nacht zieht es sich hin, und sogar das Fernsehen und die Presse tauchen vor dem Haus auf und berichten über die "Irre", die auf einem Dach steht, sich die Haare rauft und dabei wütend Dachziegel in die Menge wirft. Vorm Haus die Zuschauer, die das anscheinend auch noch genießen, dass ihnen so ein spannendes Schauspiel geboten wird. Und während nun abwechselnd diese zehn Personen, die direkt oder indirekt mit der Frau auf dem Dach zu tun haben , zu Wort kommen, man sie mit jedem Kapitel etwas näher kennenlernt, kommen auch Stück für Stück deren eigene Sorgen und Probleme, oder Lasten aus der Vergangenheit ans Tageslicht , nach und nach erfährt man nun auch, was denn die Frau überhaupt aufs Dach getrieben hat. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich richtig in die Geschichte eingetaucht bin, denn anfangs dachte ich noch, das ist einfach nur ein Buch mit lauter Kurzgeschichten und dass hier zehn Menschen einfach ihre Version zum Suizid einer Frau erzählen . Doch bereits nach den ersten paar Kapiteln war ich dann gefesselt, denn Simone Lappert erzählt so emotional und einfühlsam und in so eindringlicher und manchmal schon fast poetischer Sprache , wie sich die Lebenswege verschiedener Menschen zufällig und schicksalhaft miteinander verbinden, oder manchmal auch einfach nur kurz kreuzen. Man kann einfach nicht aufhören zu lesen, bis man erfahren hat, wie es mit jedem dieser Menschen weitergeht. Ob sich ihr Schicksal nach diesem Tag zum Guten wendet, ob sie ihr jetziges Leben nochmal überdenken, oder ob es sogar ein sehr trauriger Tag sein wird, für keinen dieser Betroffenen wird das Leben nach dem Sprung noch so sein, wie es vorher war. Ein wunderbares Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen würde.

Lea

veröffentlicht am 13.09.2019

„Der Sprung“ von Simone Lappert hat meine Erwartungen an das Buch deutlich übertroffen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Roman so fesselt. Die Ereignisse von den Menschen, die hier miteinander verknüpft werden, sind spannend und emotional ...

„Der Sprung“ von Simone Lappert hat meine Erwartungen an das Buch deutlich übertroffen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Roman so fesselt. Die Ereignisse von den Menschen, die hier miteinander verknüpft werden, sind spannend und emotional erzählt, ganz eigen und hochinteressant. Das gibt auf jeden Fall 5 Sterne von mir. Das Buch handelt von elf Personen, von denen nach und nach berichtet wird. Eines haben sie gemeinsam: Sie stehen irgendwie in Verbindung mit dem Ereignis, das ganz Thalbach für einen Tag und eine Nacht in Atem hält. Eine junge Frau steht auf einem Dach und will nicht mehr herunterkommen. Die elf Charaktere sind komplett unterschiedlich: ein Polizist, ein Modeschöpfer, ein Fahrradkurier, um nur einige Beispiele zu nennen. Alle auch in unterschiedlichem Alter, in unterschiedlichen Beziehungen, in unterschiedlichen Lebenssituationen. Diese Mischung fand ich hochspannend. Jede Geschichte ist ein Unikat. Da sie nur nach und nach erzählt wird, muss man einfach weiterblättern, bis dieser Strang wieder aufgenommen wird. Durch die große Geschichte mit der Frau auf dem Dach wird alles zusammengehalten und natürlich zusätzlich noch einmal Spannung in das Buch gebracht. Springt sie, oder springt sie nicht? Der Schreibstil hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Die Geschichte wird einfach in einem guten Erzählton wiedergegeben und so fiel es mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Einziger kleiner Kritikpunkt: Ich würde zwar keinen Charakter missen wollen, aber es wahren doch ganz schön viele, einige auch mit ähnlichen Namen. Da musste man schon zum Beginn der jeweiligen Kapitel immer kurz überlegen, wer war das jetzt noch und was war seine Vorgeschichte. Aber nach einer halben Seite hat sich das bei mir immer gelegt. Deswegen bleibe ich trotzdem bei der Höchstwertung, weil mich dieses Buch einfach so positiv beeindruckt hat. Sollte man auf jeden Fall lesen!

simone.h1

veröffentlicht am 12.09.2019

Eine junge Frau steht auf dem Dach eines Wohnhauses und wütet. Eine Nachbarin, die die Szene beobachtet verständigt die Polizei und löst damit eine Welle von Ereignissen aus, die das Leben von vielen Menschen stark verändern... Bei diesem Buch handelt ...

Eine junge Frau steht auf dem Dach eines Wohnhauses und wütet. Eine Nachbarin, die die Szene beobachtet verständigt die Polizei und löst damit eine Welle von Ereignissen aus, die das Leben von vielen Menschen stark verändern... Bei diesem Buch handelt es sich meiner Meinung nach um eine ganz spezielle Erzählkonstruktion. Der Leser begleitet elf Personen am gegenständlichen Tag und rollt sich damit nicht nur deren eigene Geschichte, sondern auch der Fortlauf des Polizeieinsatzes langsam auf. Dies geschieht im Wechsel und derart subtil, dass sich eine extreme Spannung aufbaut. Die handelnden Personen sind aus meiner Sicht sehr gut gezeichnet, zugänglich und realistisch. Trotzdem, dass es sich doch um eine Vielzahl von Charakteren handelt, wusste ich immer genau, wer nunmehr am Zug ist und kommt keine Verwirrung auf. Auch die Beziehungen in denen die einzelnen Leute zueinander stehen ist toll gewählt und ergibt sich Schritt für Schritt für den Leser. Für mich handelt es sich bei diesem Buch um ein absolutes Lesehighitlight, dass ich jedem nur ans Herz legen kann!

skiaddict7

veröffentlicht am 09.09.2019

„(...) also wenn du mich fragst, so gesamthaft gesehen, ist das Nichtverrücktsein die eigentliche Anomalie.“ Es ist ein ruhiger Dienstagmorgen in Thalbach bei Freiburg. Manu steht auf einem Dach, sie schimpft und tobt, wirft Dachziegel und ...

„(...) also wenn du mich fragst, so gesamthaft gesehen, ist das Nichtverrücktsein die eigentliche Anomalie.“ Es ist ein ruhiger Dienstagmorgen in Thalbach bei Freiburg. Manu steht auf einem Dach, sie schimpft und tobt, wirft Dachziegel und Gärtnereibedarf auf den Platz vor dem Haus hinunter. Was hat sie dazu gebracht, aufs Dach zu steigen? Wird sie springen? Unten versammeln sich die Stadtbewohner. «Spring doch! », schreit da einer. Andere fragen sich, wie es soweit kommen konnte und wer die Frau am Dach ist. Die Geschichte nimmt ihren Lauf… Simone Lappert erzählt abwechselnd aus der Sicht verschiedener Kleinstadtbewohner diesen einen Tag und die paar Tage zuvor. Wir lernen Felix, Maren, Egon, Finn, Henry, Theres, Winnie, Edna und Astrid kennen. Einzig Manu kommt nicht zu Wort. Die verschiedenen Erzähler verbindet eines: sie leben in Thalbach und gehen regelmässig zu Roswitha ins Cafe. Nach und nach erfahren wir mehr über diese ruhige Kleinstadt, wo doch so viel vor sich geht. Was ist die Tage vorher passiert? Wer kennt Manu? Was hat sie dazu getrieben, aufs Dach zu steigen? Unglaublich poetisch aber doch nüchtern webt Lappert die Geschichten dieser unterschiedlichen Menschen zusammen und schafft es, den Leser völlig in ihren Bann zu ziehen. Das Ganze wird gekrönt von einem überraschendem Ende. Ein wunderbares Buch und eine sehr talentierte Autorin, von der wir hoffentlich noch viel lesen werden!

Nil_liest

veröffentlicht am 07.09.2019

Es gibt immer wieder Situationen, in denen wir Menschen begegnen und wir deren handeln und Aussprüche nicht nachvollziehen können. Aber was steht hinter diesen isoliert betrachteten Ausfällen? Es lohnt sich oft genauer hinzusehen und zuzuhören. Oft steckt ...

Es gibt immer wieder Situationen, in denen wir Menschen begegnen und wir deren handeln und Aussprüche nicht nachvollziehen können. Aber was steht hinter diesen isoliert betrachteten Ausfällen? Es lohnt sich oft genauer hinzusehen und zuzuhören. Oft steckt etwas dahinter, dass Ausbrüche oder Abneigungen so extrem ausfallen. Sei es ein traumatisches Erlebnis, ein Umstand, eine desaströse Kindheit, eine Abneigung gegen etwas oder oder oder. Und genau das zeigt uns dieses Buch auf eine facettenreiche Art. Menschen sind geprägt durch ihre Lebenserfahrungen. Auch gibt es Situationen, in denen einzelne etwas tun und andere dadurch beeinflusst werden, auch wenn es indirekt ist, eine Art Schmetterlingseffekt. Auch das ist ein zentrales Element in diesem Romans. ‚Der Sprung‘ von der Schweizerin Simone Lappert ist ein besonderes Buch. Die Autorin hat ein feinsinniges Gespür für Sprache. Sie schmeißt bekannte sprachliche Bilder in die Luft und setzt sie nonchalant auf neuartige Weise wieder kreativ zusammen. Ein Beispiel wäre auf Seite 171 zu finden, wo es heißt: „Du kommst ganz nach deinem Vater, dem hat auch der Feinsinn fürs Brachiale gefehlt.“ Oder auch auf Seite 90 „weil Tanzen Träumen mit den Füßen war“. Aber kurz zum Inhalt. Zunächst einmal geht ein Spotlight an und wir bekommen ein Bild von einer Frau auf einem Hausdach zugetragen und wie sie springt. Dann werden wir 24 Stunden zurück in die Vergangenheit versetzt. In jedem Kapitel lernen wir eine neue Person kennen. Immer wieder wechselt die Perspektive. Zunächst zusammenhangslos wie einzelne Puzzlezeile, aber dann setzt sich das Bild nach und nach zusammen. Zum Schluss ist das Bild komplett und einige Dinge dann doch anders als gedacht. Das Figurenpersonal ist vielfältig und umfangreich. Eine Lektüre in längeren Etappen lohnt sich, sonst verliert man den Faden recht schnell. Faszinierend an dem Roman ist, dass die Personen so vielschichtig entworfen sind, dass jeder Leser eine persönlichen Fokus zu legen scheint und Sympathien und Antipathien unterschiedlich verteilt werden – wie im echten Leben. Fazit: Mich hat der Roman begeistert und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Einerseits eine leichte Lektüre, andererseits immer mit doppeltem Boden und einem Aufruf Menschen zunächst urteilsfrei zu begegnen, weil jeder eine Lebensgeschichte im Gepäck hat.

Lilli33

veröffentlicht am 05.09.2019

Schon mit ihrem Debütroman „Wurfschatten“ konnte mich die Schweizer Autorin Simone Lappert überzeugen. Mit „Der Sprung“ hat sie sich noch um Etliches gesteigert. Lappert erzählt mit einer unglaublichen Leichtigkeit von einem Viertel in einer ...

Schon mit ihrem Debütroman „Wurfschatten“ konnte mich die Schweizer Autorin Simone Lappert überzeugen. Mit „Der Sprung“ hat sie sich noch um Etliches gesteigert. Lappert erzählt mit einer unglaublichen Leichtigkeit von einem Viertel in einer Kleinstadt, wo sich die Wege der Bewohner kreuzen, manchmal nicht direkt, sondern über Eck, aber irgendwie hängt doch alles zusammen. Nach und nach wird ein Netz der Beziehungen aufgebaut. Dabei bringt die Autorin die verschiedensten Themen auf den Punkt und lässt immer wieder auch philosophische Ansätze einfließen. Mit der Zeit entsteht ein vielschichtiges Bild einer Stadtgemeinschaft, wobei aber der einzelne Mensch sichtbar bleibt. Simone Lappert besticht durch eine feinsinnige Beobachtungsgabe, anhand derer sie uns die Protagonisten nahe bringt. Die einzelnen Episoden sind fesselnd und berührend. Sie machen traurig und wütend. Manche Sätze bringen einen aber auch zum Schmunzeln. Aus der Perspektive von verschiedenen Personen erleben wir drei schicksalsträchtige Tage. Da wäre zum einen der Polizist Felix, der mit seiner schwangeren Freundin eigentlich glücklich sein sollte, es aber nicht kann. Oder Finn, der eigentlich eine Weltreise machen wollte, nun aber wegen Manu, in die er sich verliebt hat, zögert. In Marens Ehe steht es nicht mehr zum Besten, seit ihr Mann auf dem Gesundheitstrip ist. Auch die Geschichte des Obdachlosen Henry ist sehr berührend, ebenso wie die von Winnie, die von ihren Schulkameraden übel gemobbt wird. Diese Figuren und noch einige mehr spielen eine große Rolle in diesem tiefgründigen Roman. Sie alle werden beeinflusst von dieser Frau auf dem Dach, die in den Tod zu stürzen droht, warum auch immer. Am Ende wissen wir mehr, aber nicht alles. Nur eins ist sicher: „Nichts war wie vorher. Absolut gar nichts.“ (S. 317) Fazit: „Der Sprung“ ist eins meiner Jahres-Highlights. Mit viel Empathie und Gespür für Sprache lässt Simone Lappert die Leser*innen drei schicksalhafte Tage erleben, die so manches Leben umkrempeln.

TanyBee

veröffentlicht am 03.09.2019

Eine Frau steht auf einem Hausdach. Wird sie herunterspringen? Warum steht sie da oben? Diese Fragen stellen sich die Leute, die sie von unten sehen. Und genau darum geht es in dem Buch: die Leute unten. Wie sie sich verhalten und warum sie sich so ...

Eine Frau steht auf einem Hausdach. Wird sie herunterspringen? Warum steht sie da oben? Diese Fragen stellen sich die Leute, die sie von unten sehen. Und genau darum geht es in dem Buch: die Leute unten. Wie sie sich verhalten und warum sie sich so verhalten. Manche Leute machen ein Picknick vor dem Haus, manche filmen, andere schimpfen, einer ruft sogar „Nun spring doch!“. Warum tun die Leute das? Der Leser erfährt die Geschichte, die sie an diesem Tag an diesen Ort gebracht hat. Der Roman „Der Sprung“ ist wie ein Wimmelbuch, nur mit Text statt mit Bildern. Es werden dem Leser sehr viele verschiedene Personen vorgestellt, denen jeweils eigene Kapitel gewidmet sind. Doch obwohl es so viele sind, fiel mir das Zuordnen gar nicht schwer, was sicher an den wunderbaren Charakterbeschreibungen von Simone Lappert liegt. Besonders schön fand ich die Cameo Auftritte der Personen in den Kapiteln der anderen. Da werden sie nämlich nicht immer benannt und ich habe mich immer gefreut, wenn ich sie erkannt habe. Manchmal auch erst im Nachhinein! „Der Sprung“ ist ein großes Lesevergnügen. Klug, manchmal witzig, manchmal traurig. Mit Personen, die man ins Herz schließt. Zum Beispiel Egon, der früher ein Hutgeschäft hatte, nun aber im Schlachthof arbeitet und seine Arbeit dort abgrundtief hasst. Oder Manu, die Pflanzen aus zu engen Töpfen rettet. Oder den Obdachlosen Henry, der Fragen verkauft. Oder die Wirtin Roswitha, die außer Schnittlauchbroten auch noch Trost unter die Menschen bringt. Mein einziger Kritikpunkt ist der, dass die Handlung manchmal haarscharf am Kitschigen vorbeischrammt. Ein bisschen viele Zufälle gibt es auch. Aber eigentlich ist das auch egal, weil der Rest so wunderbar ist und man sowieso nicht aufhören kann zu lesen. Eine schöne leichte Lektüre (wenn auch manchmal mit einem Kloß im Hals), die trotzdem zum Nachdenken anregt. Leseempfehlung!

Tara

veröffentlicht am 01.09.2019

Der Sprung“ ist nach „Wurfschatten“ der zweite Roman der Autorin Simone Lappert. Für mich war dieses Buch ein echtes Highlight, das mich emotional mitgenommen hat. Die Gärtnerin Manu steht am Rande eines Daches. Die Polizei und die Feuerwehr gehen ...

Der Sprung“ ist nach „Wurfschatten“ der zweite Roman der Autorin Simone Lappert. Für mich war dieses Buch ein echtes Highlight, das mich emotional mitgenommen hat. Die Gärtnerin Manu steht am Rande eines Daches. Die Polizei und die Feuerwehr gehen davon aus, dass sie springen will und treffen Vorbereitungen für eine Rettung. Vor dem Haus versammeln sich Schaulustige, die das ganze Spektakel beobachten und deren Leben durch die Ereignisse beeinflusst wird. Der Schreibstil der Autorin ist einfach, angenehm zu lesen und tiefgründig. Nacheinander lernt man die verschiedenen Charaktere kennen, die alle irgendwie in die Ereignisse verknüpft und mit Manu verbunden sind. Dabei erfährt man nach und nach welchen Einfluss Manus Handlung auf sie hat und welche Erinnerungen und Gefühle bei ihnen dadurch hervorgerufen werden. Die verschiedenen Einzelschicksale sind jedes für sich etwas Besonderes und gleichzeitig ein Querschnitt durch die Bevölkerung. Jede Person wird facettenreich beschrieben. Ihre Gefühle sind nachvollziehbar und authentisch. Das interessante an dem Buch ist, dass nicht Manu, die Person, die auf dem Dach steht und springen will, im Vordergrund steht, sondern die Menschen um sie herum, die von außen betrachtet eigentlich erst in zweiter Linie von ihrem Sprung betroffen sind. Der Roman ist einfach genial beschrieben. Simone Lappert trifft genau den richtigen Ton - gefühlvoll und tiefgründig – so dass man auch nach Abschluss des Buches gedanklich hängen bleibt. Obwohl nicht alle Handlungsstränge abgeschlossen werden, ist das Buch in sich stimmig und rund. Vielleicht auch gerade deshalb, da das Leben weitergeht und es nicht immer einen Abschluss geben kann. Für mich ist das Buch ein echtes Lesehighlight, das ich nur empfehlen kann.

Nele

veröffentlicht am 31.08.2019

Simone Lapperts Roman " Der Sprung" erschienen bei Diogenes setzt auf einfache Art hohe Maßstäbe. Manu steht auf dem Dach, ist außer sich und wirft mit Gegenständen um sich. Warum steht sie da, die Frau, die sich so gut mit der ...

Simone Lapperts Roman " Der Sprung" erschienen bei Diogenes setzt auf einfache Art hohe Maßstäbe. Manu steht auf dem Dach, ist außer sich und wirft mit Gegenständen um sich. Warum steht sie da, die Frau, die sich so gut mit der Natur auskennt und sie liebt? Was fehlt ihr um sich dem Leben zu stellen? Was geht in den Gaffern vor, die sich unter dem Haus versammeln und quasi ein happenin daraus machen? Die Autorin hat das Buch in 3 Teile gegliedert, der Tag davor, der Tag an dem Manu auf dem Dach steht und der Tag danach. Als Leser lerne ich die unterschiedlichsten Menschen kennen, die alle auf irgendeine Weise mit Manu verbunden sind, die meisten ohne es auch nur zu ahnen, in wieweit Manus Handlungen und sein ihr eigenes Leben beeinflussen oder auch schon beeinflusst haben. Der Schreibstil ist einfach und doch tiefgründig genug, so dass aus den ganz normalen "Päckchen" die der Einzelne mit sich trägt ein abgerundetes Portrait entssteht. Mindestens drei der vorgestellten Personen könnten sich gleich zu Manu stellen, da sie ihr Leben auch nicht befriedigend oder als gelungen empfinden. Die Charaktere haben bei mir in ihrer Normalität einen bleibenden Eindruck hinerlassen und die angebrachte Gesellschaftskritik kam ohne mahnenden Zeigefinger daher, sondern zeigte mir im Spiegel so manches Mal meine manchmal recht schnel gefassten (Vor-) Urteile. Selbst nach dem Lesen bleiben mir viele Einzelschicksale/Lebensgeschichten im Gedächnis und ich hätte gerne weiteres von den Personen erfahren. Das Buch hat ein für mich schlüssiges Ende und gehört für mich mit zu den Lese- Highlights des Jahres.

Bibliomarie

veröffentlicht am 29.08.2019

(0) Eine junge Frau steht auf einem Dach, was hat sie vor, will sie springen? Eine Passantin wird darauf aufmerksam und informiert die Polizei und die Rettungskräfte. Schnell läuft die übliche Maschinerie an. Unten vor dem Haus sammeln sich ...

(0) Eine junge Frau steht auf einem Dach, was hat sie vor, will sie springen? Eine Passantin wird darauf aufmerksam und informiert die Polizei und die Rettungskräfte. Schnell läuft die übliche Maschinerie an. Unten vor dem Haus sammeln sich immer mehr Menschen, manche sind neugierig, andere betroffen und einige sind nur sensationslüsterne Gaffer. Simone Lappert beleuchtet nun das Leben einiger Menschen, die in irgendeiner Form mit Manu, der jungen Frau auf dem Dach verbunden sind. Ein Polizist, der mit ihr spricht, die Passantin, die die erste Meldung machte, der Freund von Manu, ein Ehepaar, das an diesem Tag zum ersten Mal seit Jahren wieder Umsatz in ihrem kleinen Laden machen und viele mehr. Es sind Geschichten in der Geschichte, die sich allmählich zum einem Ganzen verbinden. Nach und nach klären sich die Verbindungen. Es ist ein Roman, der mich von der ersten Seite an völlig in Bann gezogen hat. Alle Figuren sind echt und ihre Handlungsweisen authentisch, wie wirklich aus dem Leben erzählt. In Vielem kann man sich wiedererkennen. Dabei ist es eigentlich keine große Geschichte, es sind Augenblicke aus dem Leben, im Einzelnen eigentlich unspektakulär, aber jeder hat Auswirkungen auf alle Beteiligte. Es ist eine ganze Welt im Kleinen, die die Autorin zeigt und jeder Protagonist bringt seine eigene Facette in diesen Kosmos ein. Hoffnungslosigkeit, Optimismus, Trauer, neue Energie – es liegt alles ganz dicht beieinander. Manchen Figuren widmet Simone Lappert mehr Aufmerksamkeit, gönnt ihnen eine optimistische Zukunft, manche werden nur gestreift und ihr weiteres Schicksal bleibt offen. Ich habe diese Geschichte verschlungen, den schönen Sprachstil geradezu aufgesaugt, viele einzelne Sätze sind mir im Gedächtnis geblieben: „Etwas das blüht, sollte man nicht umtopfen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dabei eingeht, ist ziemlich groß.“ Antwort Manus auf den Vorschlag ihres Freundes, gemeinsam die Stadt zu verlassen "Das sind alles Leute, die in der Schule beliebt sind oder es mal waren, dachte Winnie. Leute, die nie allein sind. Oder solche, die sich durchs Zuschauen überlegen fühlen, ihre Kraft aus der Schwäche anderer heraus entwickeln, so wie Timo." Gedanken einer gemobbten Schülerin, als sie ihren Mitschüler johlend in der Zuschauermenge sieht. "Nie wollte sie in den Tod springen. Immer nur ins Leben." Eigentlich der wichtigste Gedanke auf dem Dach. Ich könnte noch vieles anführen, selten habe ich so viele Markierungen beim Lesen angebracht. Anfangs konnte ich mit der Portraitzeichnung des Titelbildes nicht viel anfangen. Es wirkte nichtssagend auf mich, aber je weiter ich gelesen habe, umso mehr gefiel mir Cover. Das Portrait einer jungen, nicht angepassten Frau passt ganz genau auf die tragende Figur dieses Romans. Meine unbedingte Leseempfehlung.

Emmmbeee

veröffentlicht am 29.08.2019

Menschen scharen sich sensationslüstern um ein Haus, auf dessen Dach ein Mädchen in grüner Latzhose herumturnt: Manu, die Störgärtnerin. Warum ist sie dort oben? Kann man sie überreden, herunterzusteigen? Oder wird sie doch springen? Man gafft und ...

Menschen scharen sich sensationslüstern um ein Haus, auf dessen Dach ein Mädchen in grüner Latzhose herumturnt: Manu, die Störgärtnerin. Warum ist sie dort oben? Kann man sie überreden, herunterzusteigen? Oder wird sie doch springen? Man gafft und richtet sich unten auf der Strasse häuslich ein. So der Rahmen um das Bild, das sich in der Folge vor dem Leser entfaltet. Insgesamt elf Personen rücken während der zwei Wartetage näher zusammen oder werden sogar im Netz des Geschehens miteinander verknüpft. Elf Leben, auf unterschiedliche Weise in ungünstigen Gleisen festgefahren. Sie alle bekommen einen Einschnitt verpasst, werden neu ausgerichtet und angekurbelt durch einen einzigen Schritt – ins Leere. Denn dass Manu springen wird, erfährt der Leser gleich zu Beginn des Romans. Wie bei einem Krimi, der schon auf der ersten Seite den Täter offenbart, um daraufhin das Warten auf die Tat und deren Hintergründe zu beleuchten. In diesem Lichtkegel stehen Felix, Maren, Theres, Ernesto und die anderen sieben Hauptpersonen. Sie wissen noch nicht, welche Fäden sie mit dem Mädchen auf dem Dach und ihrer Entscheidung verbinden. Schliesslich Manu selbst: eigentlich eine Lichtgestalt, die bedrohte Pflanzen auf teils kriminelle Art vor dem Untergang rettet, indem sie die Gewächse heimlich ausgräbt und ihnen eine neue Heimat verschafft. Eine Art Lebensretterin also, die aber ihr eigenes beenden wird. Die Autorin fertigt ein Geflecht aus diesen Leben, wobei manches schon sehr an den Haaren herbeigezogen wirkt, etwa die Sache mit dem Hut. Sie breitet eine Fülle von unterschiedlichen Schicksalen und Lebensentscheidungen vor uns aus, wobei sie uns konfrontiert mit teils unglaubhaften Situationen, abstossend, erschreckend, auf jeden Fall facettenreich. Die Figuren sind ähnlich wie wir alle, stehen uns deshalb nahe und vermögen es, und zu berühren. Lappert erweist sich auch diesmal als hervorragende, mitreissende Erzählerin. Federleicht und teils atemlos schildert sie eine schwerwiegende, bedrückende Entscheidung. Dabei kommt der Humor erfreulicherweise nicht zu kurz. Die vielen Personen, in kurzen Kapiteln wie Perlen aneinandergereiht, waren jedoch anfangs recht verwirrend. Ich musste oft zurückblättern, um die Vorgeschichte nachzulesen, wenn diejenige Figur wieder ins Spiel kam. Fünf Jahre sind vergangen seit Erscheinen ihres Erstlings "Wurfschatten", und nach Auflösung ihres alten Verlags fand sie in Philipp Keel einen neuen Herausgeber. Die Romane von Diogenes sind es meiner Meinung nach allesamt wert, gelesen zu werden. So auch das vorliegende Werk.

Petris

veröffentlicht am 26.08.2019

Auf dem Cover sieht einem das Portrait einer jungen, nachdenklichen Frau entgegen, gemalt in Grüntönen. Schön sieht es aus, elegant und einladend im typischen Diogenes-Stil. Die Autorin sagte mir nichts, der Titel ist kurz und prägnant, könnte aber zu ...

Auf dem Cover sieht einem das Portrait einer jungen, nachdenklichen Frau entgegen, gemalt in Grüntönen. Schön sieht es aus, elegant und einladend im typischen Diogenes-Stil. Die Autorin sagte mir nichts, der Titel ist kurz und prägnant, könnte aber zu vielen Geschichten passen. Doch gleich auf der ersten Seite geht es um diesen Sprung, wie er sich anfühlt, was in der Springerin vorgeht. Gefesselt liest man mit, hofft, dass es nur eine Wunschvorstellung ist oder dass irgendetwas ihren Fall bremst und sie rettet. Nur das erfährt man hier noch nicht. Und dann geht es los, episodenhaft werfen wir Leser*innen einen Blick in die Leben ganz vieler verschiedener Menschen. Da ist der Polizist Felix im Café von Roswitha, Maren, deren Beziehung sich anders entwickelt hat, als sie es erhofft hatte und deren Partner Hannes immer kälter und zwanghafter wird, Henry, der Obdachlose, der sich bemüht, Struktur in seinem Leben zu behalten, Finn, der Fahrradbote, der eigentlich auf große Reise gehen möchte, doch seit er die Gärtnerin Manu kennengelernt hat, sich gar nicht mehr so unwohl fühlt in dieser Stadt. Sie, und noch einige mehr, bilden den Mikrokosmos dieses Romans, am Anfang muss man manchmal zurückblättern, um zu schauen, wer wer ist oder ob vielleicht wieder ein neuer Charakter auftritt, das hat was von Detektivspielen. Ich mag das nicht ungern. Mit der Zeit verweben sich die einzelnen Geschichten immer mehr, berühren sich, hängen zusammen. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, alleine auf einem Dach. Will sie sterben? Was macht sie auf dem Dach? Erzählt wird ein Zeitraum von 3 Tagen, der Tag vor dem Drama, der Tag des Beginns des Dramas und der Tag danach. Am Ende hat sich für alle von ihnen etwas geändert, nicht in diesem Esoterik- oder Kitschromansinn eines Happy Endes für alle, aber eine Verschiebung, Bewegung weg vom Stillstand, und in Wirklichkeit hört der Roman genau hier auf und lässt offen, wohin die Veränderungen führen. Ich habe „Der Sprung“ verschlungen, mochte die vielen Charaktere, fand die Dramaturgie unglaublich spannend und auch wenn die Zusammenhänge natürlich schon sehr konstruiert sind, ging die Idee auf und erschien mir schlüssig und gut gemacht. Manche Szenen hatten fast etwas von einem Wimmelbild, z.B. im kleinen Laden, in dem die meisten Figuren einmal am Rande vorkommen.

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