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Ich bleibe hier

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Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein ...
Beschreibung
Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.

Werbliche Überschrift
Der Nr.-1-Bestseller aus Italien:

Der Stausee kommt, und alle gehen. Doch Trina bleibt.

Eine zu Herzen gehende Geschichte aus Südtirol, eine Ermutigung zum Widerstand.

erscheint 06/2020 Cover Ich bleibe hier
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Veröffentlicht 2020, von Marco Balzano bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-07121-4
Auflage: 1. Auflage
288 Seiten
18.4 cm x 11.6 cm

Über Marco Balzano

Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. Mit seinem letzten Roman, ›Das Leben wartet nicht‹, gewann er den Premio Campiello, mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.


Über Marco Balzano

Über Maja Pflug

Kundenrezensionen

Bibliomarie

veröffentlicht am 26.05.2020

Öfters bin ich schon via Reschenpass nach Italien gereist und der Kirchturm im See ist immer eine auffallende Landmarke. Ich werde in wohl in Zukunft nicht mehr mit gleichen Augen ansehen können. Es wird immer eine Erinnerung an das Schicksal der Grauner ...

Öfters bin ich schon via Reschenpass nach Italien gereist und der Kirchturm im See ist immer eine auffallende Landmarke. Ich werde in wohl in Zukunft nicht mehr mit gleichen Augen ansehen können. Es wird immer eine Erinnerung an das Schicksal der Grauner Dörfler damit verbunden bleiben. Marco Balzano hat einen Roman geschrieben, der sich mit der jüngeren Geschichte Südtirols befasst. Es waren unruhige Jahrzehnte die das Land und die Bewohner nachhaltig geprägt haben. Der Autor berichtet aus der Sicht der Vinschgauerin Trina, die zusammen mit zwei Freundinnen das Lehrerseminar besucht. Nun im Rückblick, in einem langen Brief an die verlorene Tochter, erzählt Trina von ihren Hoffnungen, zerstörten Träumen und fragilem Glück. Sie berichtet von der zwangsweisen Italienisierung, die ihr das Lehren verbietet, vom Ausweg in geheime Keller- und Heckenschulen, von der Verfolgung durch die Faschisten des Duce und gleich anschließend von den Schrecken des Nationalsozialismus, der bis nach Südtirol wirkte. Viele deutschsprachige Südtiroler glaubten an die Versprechungen und siedelten ins Deutsche Reich, wo sie sich willkommen fühlten. Die Zurückgebliebenen sahen sich dem Misstrauen der Administration ausgesetzt, ganz besonders während der Kriegsjahre. Und dann kamen die Staudammpläne und mit dem Wasser war der Untergang des Dorfes Graun besiegelt. Vielleicht ist es grade die Form einer persönlichen Erzählung, die das Buch so unmittelbar macht. Die Sprache empfand ich als schlicht und dennoch sehr kunstvoll. Mich haben jedenfalls Trinas Erinnerungen in Bann geschlagen. Ganz ohne Schuldzuweisungen erzählt sie von einem exemplarischen Leben, das gleichzeitig ein Abbild der Jahrzehnte zwischen den Kriegen und der Nachkriegszeit ist. Da entstanden Wunden, die nur schwer heilen. Es sind auch die Wunden, die das Leben Trina zugefügt haben und nun als alte Frau kann sie davon berichten. Mich hat dieser Roman sehr berührt und ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der Südtirol als Urlaubsziel kennt und sich ein wenig mehr mit den Menschen und ihrer Heimat beschäftigen möchte.

HEYN Leserunde Petra Gutsche

veröffentlicht am 19.05.2020

Die Geschichte von Trina, die ihr ganzes Leben inklusive der Kriegszeit in ihrem Heimatdorf Graun in Südtirol erlebt ist zu tiefst berührend. Um dem Krieg zu entkommen könnte sie mit ihrem Mann nach Deutschland auswandern, so wie es viele im Dorf tun. Doch ...

Die Geschichte von Trina, die ihr ganzes Leben inklusive der Kriegszeit in ihrem Heimatdorf Graun in Südtirol erlebt ist zu tiefst berührend. Um dem Krieg zu entkommen könnte sie mit ihrem Mann nach Deutschland auswandern, so wie es viele im Dorf tun. Doch Trina und ihr Ehemann bleiben und erleben sehr harte Zeiten bis zum Ende des Krieges. Da es ihr die Faschisten nicht erlauben als Lehrerin zu unterrichten tut Trina dies heimlich, in Scheunen, auf Wiesen, in Kellern. Als ihr Mann in den Krieg einberufen wird kümmert sie sich um den Hof. Verwundet kehrt ihr Mann Erich zurück. Gemeinsam desertieren sie in die Berge, als der Krieg vorüber ist leisten sie Widerstand gegen den Bau eines Stausees welcher ihr Heimatdorf fluten soll. Das Dorf wird trotz des Widerstandes der Dorfbevölkerung geflutet, heute sieht man noch die Kirchturmspitze aus dem Stausee ragen. Die sehr spannende Geschichte ist nicht nur gut recherchiert, die raue, unmenschliche Gegend sowie die dazugehörigen Protagonisten ziehen den Leser mitten ins Geschehen. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen – es ist absolut lesenswert. Kopfkino pur!

Amena25

veröffentlicht am 15.05.2020

Ich muss gestehen, auch ich war bisher einer der Touristen, die den Reschensee mit seinem halb versunkenen Kirchturm fotografierten und anschließend Urlaub im wunderschönen Südtirol gemacht haben. Zwar war mir die Geschichte des Orts im Großen und ...

Ich muss gestehen, auch ich war bisher einer der Touristen, die den Reschensee mit seinem halb versunkenen Kirchturm fotografierten und anschließend Urlaub im wunderschönen Südtirol gemacht haben. Zwar war mir die Geschichte des Orts im Großen und Ganzen bekannt, die wahre Geschichte aber über ein fiktives Schicksal vermittelt zu bekommen, geht doch deutlich unter die Haut. Erzählt wird aus der Perspektive Trinas, die Lehrerin werden möchte und ein ruhiges und beschauliches Leben mit wenig Abwechslung in Graun verbringt. Doch mit der Machtergreifung Mussolinis wird die Lebenssituation der deutschsprachigen Südtiroler komplett umgekrempelt. Die deutsche Sprache wird verboten, Namen werden italianisiert, nur italienisch sprechende Lehrer an den Schulen zugelassen, die die Schüler nicht verstehen. Trina, die sich zum Unterrichten berufen fühlt, lernt die fremde Sprache, in der Hoffnung, doch noch eine Stelle zu bekommen. Doch diese Hoffnung erfüllt sich nicht. Stattdessen unterrichtet sie in den Kriegsjahren heimlich in einer sogenannten Katakombenschule Deutsch, was für sie, aber auch für ihre Schüler ein großes Risiko darstellt. Mit ihrem Mann Erich, der nie aus Graun fort will, bekommt sie eine Tochter und einen Sohn. Die Tochter verlässt später ohne Abschied die Familie, worunter Trina ihr Leben lang leidet. Erzählt wird auch die leidvolle und entbehrungsreiche Zeit, in der Erich als Deserteur heimkehrt und die beiden in die Berge fliehen, um nicht verhaftet und getötet zu werden. Eine sehr wichtige Rolle spielt immer der Staudamm, der über Jahrzehnte hinweg geplant, verworfen, letzten Endes aber doch gebaut wird. Das ganze Tal wird geflutet, die Dörfer Graun und Reschen verschwinden und die Menschen werden für immer ihrer Heimat beraubt. Trina erzählt ihr Schicksal in einer nüchternen, schnörkellosen Sprache, was das unsagbare Leid und die Ungerechtigkeit, die den Bewohnern der Region zugefügt wurden, aber auch ihr persönliches Leid, fast dokumentarisch wirken lässt und einen dennoch tief berührt. Für mich ist ,,Ich bleibe hier" ein sehr trauriges, aber starkes Buch, das man unbedingt lesen sollte.

Andrée

veröffentlicht am 06.05.2020

"Vorwärts gehen, das ist die einzige Richtung , die erlaubt ist. Sonst hätte Gott uns die Augen seitlich gemacht." Ein tief berührender, spannender Roman, dessen Inhalt Vergangenheit benützt, um auch Themen der Gegenwart wie Korruption, ...

"Vorwärts gehen, das ist die einzige Richtung , die erlaubt ist. Sonst hätte Gott uns die Augen seitlich gemacht." Ein tief berührender, spannender Roman, dessen Inhalt Vergangenheit benützt, um auch Themen der Gegenwart wie Korruption, Gewalt, Bildung, Demokratieverständnis und Profitgier zu behandeln. Die Geschichte von Trina und ihrer verlorenen Tochter hält einen bis zum Schluss gefangen.

HEYN Leserunde Laszlo Zoltan

veröffentlicht am 05.05.2020

Marco Balzano, ein Mailänder, erzählt hier nach guter Recherche grandios eine Geschichte aus Südtirol. Beim Lesen tritt abrupt die Atmosphäre der Liebe, der Entscheidung, des Verlustes und des Kampfes gegen politische und ökonomische Ideen in den Raum. ...

Marco Balzano, ein Mailänder, erzählt hier nach guter Recherche grandios eine Geschichte aus Südtirol. Beim Lesen tritt abrupt die Atmosphäre der Liebe, der Entscheidung, des Verlustes und des Kampfes gegen politische und ökonomische Ideen in den Raum. Tief beeindruckt wendet man Seite für Seite und sieht danach den bekannten Kirchturm, der aus dem Reschensee ragt, mit anderen Augen.

gaby2707

veröffentlicht am 03.05.2020

An dem Kirchturm im Wasser bin ich als Kind einige Male staunend vorbei gefahren, wenn wir in Italien Urlaub gemacht haben. Erst später habe ich mich für die Geschichte der Orte am Reschensee interessiert. In diesem Buch lerne ich fiktive Menschen kennen, ...

An dem Kirchturm im Wasser bin ich als Kind einige Male staunend vorbei gefahren, wenn wir in Italien Urlaub gemacht haben. Erst später habe ich mich für die Geschichte der Orte am Reschensee interessiert. In diesem Buch lerne ich fiktive Menschen kennen, die hier gelebt und alles versucht haben, ihren Heimatort vor der Überflutung zu retten. Wenn ich das nächste Mal über den Reschen fahre und am See vorbei komme, werde ich die Kirchturmspitze mit anderen Augen sehen. Trina Hauser erzählt ihre Geschichte und die Geschichte des kleinen Dorfes Graun im Vinschgau ihrer Tochter Marica. Wie sie als junge ausgebildete Lehrerin unter Mussolini und seinen Faschisten keine Anstellung bekam, den Kindern, die tagsüber in die italienische Schule gingen, abends im Schutz der Dunkelheit in Kellern und Scheunen deutsch beibrachte. Wie sie in der Schreinerei ihres Vaters die Bücher führte. Wie immer mehr Italiener in die Dörfer kommen, es für Südtiroler jedoch keine Arbeit gibt und das Geld immer knapper wird. Dann kam Hitler und bot ihnen an, „heim ins Reich“ zu kommen. Ein Großteil der Bewohner nahm dieses Angebot an, Erich wollte unbedingt bleiben. Dann plötzlich ist Marica zusammen mit Trinas Schwester Alexandra und deren Mann Lorenz weg. Auch Trina und Erich werden bald zu Flüchtlingen. Dann, endlich ist der Krieg vorbei. Nun soll ein Staudamm gebaut werden, der Trina und Erich endgültig die Heimat nimmt. Eingeteilt in 3 große Kapitel „Die Jahre“, „Auf der Flucht“ und „Das Wasser“ durchlebe ich die Zeit zusammen mit Trina und Erich. Es macht mich traurig zu lesen, wie sich Trina und Erich im Laufe der Zeit verändern. Ich bewundere die Beiden, wie sie allen Entbehrungen zum Trotz an ihrer Heimat festhalten und dort weiterleben, als der Krieg vorbei ist. Der Autor Marco Balzano zeichnet in seinem neuen Roman ein Stück der jüngeren Geschichte Südtirols nach, wobei die Flutung des Tales durch den neu erbauten Staudamm den traurigen Abschluss bildet. Die Klappen des Buches zeigen vorne wie hinten eine Ansicht von Südtirol mit den Grenzen zu Österreich, der Schweiz und Italien. Ein sehr interessantes und spannendes Buch, das so viel mehr kann, als nur ein kleines Stück Geschichte zu erzählen. Eine eher leise Geschichte um Trina und ihre Familie, die mir zu Herzen geht, die mich berührt und beeindruckt hat.

Miro76

veröffentlicht am 18.04.2020

Jeder kennt den berühmten Reschensee mit seinem Kirchturm im Wasser. In diesem Buch lesen wir von den Menschen, die diesen Ort bewohnten und verzweifelt versuchten ein gutes Leben zu führen. Marco Bolzano gibt ihnen Gesichter und eine Geschichte, die ...

Jeder kennt den berühmten Reschensee mit seinem Kirchturm im Wasser. In diesem Buch lesen wir von den Menschen, die diesen Ort bewohnten und verzweifelt versuchten ein gutes Leben zu führen. Marco Bolzano gibt ihnen Gesichter und eine Geschichte, die genau so hätte passieren können: Trina ist in diesem idyllischen Bergdorf aufgewachsen und träumt davon Lehrerin zu werden. Doch nach abgeschlossener Ausbildung übernehmen die Faschisten die Macht in Italien und als deutschsprachige Südtirolerin darf sie nicht unterrichten. Zwischen 1939 und 1943 sollten alle nach Deutschland auswandern. Diejenigen, die bleiben, werden zu Bürgern zweiter Klasse. Ihre Sprache wird verboten. Beherzt beginnt Trina im Untergrund zu unterrichten, bis ihr Mann Erich für die Italiener an die Front muss und sie sich um den Hof kümmern muss. Als die Nationalsozialisten Südtirol übernehmen, geht es für die Deutschstämmigen wieder etwas bergauf. Dennoch sind Repressalien zu fürchten, denn immerhin wollten die Dagebliebenen in der ersten Welle nicht heim ins Reich. Trinas Sohn Michael meldet sich freiwillig, aber Erich will auf keinen Fall ein zweites Mal in den Krieg. Es bleibt nur die Flucht. Überschattet wird das Ganze noch von diesem irrwitzigen Kraftwerksbau. Der größte Staudamm Mitteleuropas soll gebaut werden und der wird Reschen und Graun verschlucken. Für die Menschen in diesen Bergdörfern ist das Elend auch nach dem Krieg nicht vor bei. Ihre hart umkämpfte Heimat ist immer noch bedroht und was sie auch versuchen, sie finden kaum Unterstützung. Wie es ausgeht, wissen wir ja alle. Dieses Buch bringt uns dazu, über die Menschen, die in dieser Kirche gebetet haben und in diesen Dörfern geschlafen, gearbeitet und geliebt haben, nachzudenken. Sie hatten es nicht einfach in ihren Leben. Ihre Arbeit war hart, ihre Zeit brutal und dennoch sind ihre Geschichten voller Hoffnung und Lebensmut. Marco Bolzano hat ein schönes Porträt gezeichnet von dieser widerstandsfähigen Gemeinschaft der Dagebliebenen. Ich habe diese Geschichte sehr gerne gelesen, fand sie ungemein interessant und war stark berührt von der Grausamkeit der Geschichte. Äußerst lesenswert!

Ingrid Weilharter

veröffentlicht am 15.04.2020

Dem Autor ist ein großartiger Roman über die schwierige Geschichte Südtirols gelungen. Vor dem historischen Hintergrund des Faschismus und Nationalsozialismus siedelt Balzano seine berührende Beziehungs- bzw. Familiengeschichte an, deren Charaktere ...

Dem Autor ist ein großartiger Roman über die schwierige Geschichte Südtirols gelungen. Vor dem historischen Hintergrund des Faschismus und Nationalsozialismus siedelt Balzano seine berührende Beziehungs- bzw. Familiengeschichte an, deren Charaktere authentisch und in ihrem Tun nachvollzierbar dargestellt werden. Es sind einfache Landleute, in den Bergdörfern Graun bzw. Reschen angesiedelt, welche den dramatischen Ereignissen vor, während und nach dem 2.Weltkrieg ausgesetzt sind und versuchen, diese zu bewältigen. Schonungslos zeigt Balzano die brutalen Folgen von politischen Machtverhältnissen und Machtmissbrauch und von ökonomischen Interessen, welche über die Köpfe der Menschen durchgesetzt werden. Man möchte diesen Roman nicht mehr aus der Hand legen und ob seines zeitgeschichtlichen Hintergrundes kommt einem das Gruseln. Spannung und emotionale Berührtheit pur!

Maria Dörfler

veröffentlicht am 08.04.2020

Trina, die Protagonistin, schreibt an ihre "verlorene" Tochter, sie schreibt ihre Lebensgeschichte in schöner, schnörkelloser Sprache (gute Übersetzung!). Ein Leben in einem kleinen Dorf in Südtirol, ein einfaches Leben, ein normales Leben vor ...

Trina, die Protagonistin, schreibt an ihre "verlorene" Tochter, sie schreibt ihre Lebensgeschichte in schöner, schnörkelloser Sprache (gute Übersetzung!). Ein Leben in einem kleinen Dorf in Südtirol, ein einfaches Leben, ein normales Leben vor dem Hintergrund der dramatischen Geschichte des ersten Weltkrieges, des Faschismus, der Nazizeit und schließlich der Nachkriegszeit, des technischen Fortschrittes. Die Charaktere des Menschen scheinen aus einem Guß, sie berühren. Sie sind Sieger, obwohl sie Verlierer sind. Sie sind treu in vielerlei Hinsicht und doch können sie weder ihr persönliches Schicksal noch die Auswirkungen der politischen Ereignisse verhindern. Ihrem lebenslangen Kampf ist nicht äußerer Erfolg beschieden, er ist weitgehend erfolglos und dennoch habe ich das Gefühl, dass die Leben von Trina und Erich gelungene Leben sind, reich an ihrer eigenen Art von Liebe, Treue, Zärtlichkeit, aber auch von Zorn und Schmerz. Ich werde das Buch verschenken an Menschen, die mir wichtig sind. Maria Dörfler

Petris

veröffentlicht am 08.04.2020

Vor drei Jahren las ich Bolzanos Roman „Das Leben wartet nicht“, in dem es um einen kleinen Jungen aus Sizilien geht, der ganz alleine in den Norden geschickt wird, um dort Arbeit zu finden. Und das in den 50er Jahren. Ein trauriges Kapitel europäischer ...

Vor drei Jahren las ich Bolzanos Roman „Das Leben wartet nicht“, in dem es um einen kleinen Jungen aus Sizilien geht, der ganz alleine in den Norden geschickt wird, um dort Arbeit zu finden. Und das in den 50er Jahren. Ein trauriges Kapitel europäischer Geschichte, von dem ich nichts wusste. Der Roman hat mich tief bewegt, einerseits die Widerstandsfähigkeit dieses Jungen, Ninetto, andererseits die Tragik des Aufwachsens in bitterer Armut. In seinem neuen Roman widmet sich Bolzano wieder einem unschönen Kapitel der italienischen Geschichte. Diesmal geht es um das kleine Dorf Graun in Südtirol und das Vinschgau. Erzählt wird diese Geschichte über die fiktiven Charaktere Trina und Erich. Nach dem 1. Weltkrieg kam Südtirol zu Italien, vom Krieg relativ unbehelligt, lebte man im Tal einfach weiter wie immer. Doch dann kamen die italienischen Faschisten an die Macht, Deutsch wurde verboten, die einheimische Bevölkerung diskriminiert, zum Auswandern gezwungen, Italiener aus dem Süden angesiedelt. Trina, eine junge Frau, gerade fertig mit der Lehrerausbildung, bekommt keinen Job, ihre Familie beschließt aber nicht nach Deutschland ins „Reich“ zu gehen, heimlich, in Untergrundschulen gibt sie Unterricht auf Deutsch. Ihr Mann Erich hasst die Faschisten, doch ihn treibt das nicht, wie viele andere, in die Arme der Nazis, in den viele große Hoffnungen setzen, auch, dass er das Staudammprojekt, das das Dorf bedroht stoppen würde. Viele Männer melden sich freiwillig zum Krieg, doch Erich desertiert, gemeinsam mit Trina geht er in die Berge. Wie die Geschichte ausging, dass Hitler den Krieg verlor und der Stausee am Ende, gegen allen Widerstand doch gebaut wird, ist bekannt. Jeder kennt ein Foto des Stausees, aus dem noch der Kirchturm ragt, inzwischen ein beliebtes Fotomotiv und Anziehungspunkt für Touristenmassen, die nicht wissen, welch bewegte und traurige Geschichte dahinter steckt, wie viele Familien entzweit wurden, wie viele Menschen ihr Leben lassen mussten. Fesselnd und sehr persönlich wird die Geschichte aus Sicht Trinas erzählt, erst noch eine junge, unbeschwerte Frau, später noch immer mutig, aber vom Leben gezeichnet. Ihre Familie steht exemplarisch dafür, wie Faschisten und Nazis Familien entzweien, Dorfgemeinschaften zerstören und aus einem idyllischen Tal eine Gegend voller Zwist und Sorgen machen. Es gibt keine richtigen Entscheidungen, man kann nur nach den eigenen Moralvorstellungen leben, was richtig und falsch ist wird von anderen entschieden. Oder von der Geschichte. Die kritischen Geister stehen ziemlich alleine da. Ich finde es großartig, wie Bolzano in seinen Romanen vergessenen Schicksalen und Nebenschauplätzen der großen europäischen Geschichte ein Denkmal setzt und sie vor dem völligen Vergessen bewahrt. Gleichzeitig versteht er es wunderbar, authentische und vielschichtige, sehr menschliche Charaktere zu erschaffen, beim Lesen werden sie lebendig und man ist beinahe überzeugt, dass es sie wirklich gegeben hat. Kritisch, faszinierend, großartig geschrieben. Marco Balzano ist ein Autor, der emotional erzählen kann und dabei nie die Fakten aus den Augen verliert. Große Erzählkunst!

Petra Wiechmann

veröffentlicht am 23.03.2020

Mich hat das Buch beeindruckt. Die Figur der Trina war genauso wie man gern sein möchte. Stark , kann Schwäche zeigen, weiß für sich was richtig und falsch ist. Die anderen Personen bilden einen perfekten Hintergrund ab, sie sind eigenständig, sind ...

Mich hat das Buch beeindruckt. Die Figur der Trina war genauso wie man gern sein möchte. Stark , kann Schwäche zeigen, weiß für sich was richtig und falsch ist. Die anderen Personen bilden einen perfekten Hintergrund ab, sie sind eigenständig, sind besonders und mit Trina eine Einheit so das man das Geschehen, was heute ein Schauspiel für Touristen und Historiker ist versteht. Eher zurückhaltend beschreibt der Autor das harte und karge Leben der Bergbauern in Tirol, ein Leben zwischen faschischtischten Regierungen, ein Leben das für andere unwichtig ist, wenn der Staat Interessen durchsetzen will. Er schreibt über einen Kampf der von Anfang an verloren ist, aber der Kampf ist wichtig, damit die Menschen nicht ihre Menschlichkeit verlieren und zu geistlosen Geschöpfen verkommen. Die Stille wo es eigentlich laut sein soll, die Ruhe anstelle von Aufregung, die Verzweifflung alles das macht das Buch eindringlich.

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