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Der süße Wahn

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Kurztext / Annotation
Seit der Heirat seiner ehemaligen Freundin Annabelle führt der Chemiker David Kelsey ein Doppelleben. Unter falschem Namen hat er sich ein Haus gemietet, in dem er ohne Wissen seiner Freunde die Wochenenden verbringt. Hier hat er sich eine Traumwelt aufgebaut, in der er sich einbildet, mit Annabelle zusammenzuleben. Eines Tages erscheint Annabelles Mann im Wochenendhaus, um Kelsey zur Rede zu stellen.

Patricia Highsmith, geboren 1921 in Fort Worth/Texas, wuchs in Texas und New York auf und studierte Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten schrieb sie an der Highschool, den ersten Lebensunterhalt verdiente sie als Comictexterin, und den ersten Welterfolg erlangte sie 1950 mit ihrem Romanerstling Zwei Fremde im Zug

Textauszug
[9] 1

Es war die Eifersucht, die David nicht schlafen ließ, ihn aus dem zerwühlten Bett in der dunklen, stillen Pension hinaus auf die Straße trieb.

Allerdings lebte er mit dieser Eifersucht nun schon so lange, daß die üblichen Begleitbilder und Assoziationen, die direkt aufs Herz zielen, nur mehr unterschwellig auf ihn wirkten. Jetzt ging es bloß noch um die SITUATION , und die war und blieb unverändert, und das seit fast zwei Jahren. Zwecklos, sie im einzelnen aufzudröseln. Die SITUATION war wie ein Stein, ein an die fünf Pfund schwerer Stein, den er Tag und Nacht in der Brust trug, nur daß es abends und nachts, wenn er nicht arbeitete, ein bißchen schlimmer war als bei Tage.

Die Straßen in dem ziemlich heruntergekommenen Villenviertel waren jetzt, kurz nach Mitternacht, finster und menschenleer. David bog in einen abschüssigen Seitenweg ein, der zum Hudson River hinunterführte. Hinter sich hörte er schwach das Tuckern anspringender Automotoren: Das Kino an der Main Street war aus. Er hielt sich hart am Bordstein, um einem verwachsenen Baum aus dem Weg zu gehen, dessen Stamm sich weit übers Trottoir neigte. Aus dem Eckzimmer im Obergeschoß eines zweistöckigen Holzhauses drang ein gelbliches Licht. Liest da einer [10] noch so spät, überlegte David, oder mußte bloß mal jemand aufs Klo? Ein Mann ging vorbei, träge und torkelnd, ein Betrunkener. Gleich hinter dem Schild mit der Aufschrift SACKGASSE stieg David über einen niedrigen weißen Zaun auf ein Schotterfeld und starrte mit verschränkten Armen geradeaus in die Finsternis, auf den Fluß. Richtig sehen konnte er ihn nicht, aber riechen, und er wußte, daß er da war - graugrün, tief und verdreckt. An die fünf Minuten trotzte David, der ohne Jackett aus dem Haus gegangen war, dem schneidenden Herbstwind, dann machte er kehrt und sprang über den Zaun zurück auf die Straße.

Der Weg zur Pension führte ihn an Andys Diner vorbei, einem Aluminiumcontainer, der diagonal zur Fahrbahn auf einem unbebauten Grundstück stand. Obwohl er nichts essen, ja sich nicht einmal aufwärmen wollte, ging David rein. Die beiden einzigen Gäste, zwei Männer, saßen weit auseinander, und David nahm sich einen Hocker etwa in der Mitte zwischen ihnen. Es roch nach brutzelnden Hamburgern und ganz schwach auch nach dem dünnen Kaffee, den David nicht mochte. Sam, ein kräftiger Mann mit schleppendem Gang, führte das Diner zusammen mit seiner Frau. Andy war, so hatte David von irgendwem gehört, vor ein paar Jahren gestorben.

"'n Abend, wie geht's?" grüßte Sam müde und wischte, ohne aufzusehen, flüchtig mit einem Lappen über die Theke.

"Danke. Ich hätte gern einen Kaffee."

"Schwarz?"

"Ja, bitte."

Mit Milch und Zucker schmeckte der Kaffee hier fast [11] wie Tee und hätte sicher niemanden wach gehalten. David stützte sich mit dem Ellbogen auf den Tresen, ballte die klamme Rechte zur Faust, und während er sie mit der linken Hand warm rubbelte, starrte er blicklos auf eine grellbunte Speisereklame. Jemand kam herein und setzte sich neben ihn, ein Mädchen. David schaute nicht mal hin.

"Guten Abend, Sam", sagte das Mädchen, und sofort hellte Sams Miene sich auf.

"Hi! Wie geht's uns heute? Was darf's sein? Wie immer?"

"Mhm. Mit viel Schlagsahne."

"Macht aber dick."

"Ach, damit hab ich keine Probleme." Sie wandte sich David zu. "Guten Abend, Mr. Kelsey."

David schrak zusammen und sah sie an. Nein, er kannte sie nicht. "Guten Abend", erwiderte er, lächelte mechanisch und blickte wieder geradeaus.

Nach einer kleinen Pause fragte das Mädchen: "Sind Sie immer so schweigsam?"

Diesmal sah er sie bewußt an und dachte: Das ist kein Flittchen, bloß ein ganz normales Mädchen. "Doch, schon", versetzte er wortkarg und zog den Kaffeebecher zu sich heran.

"Sie erinnern sich wohl nicht

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Der süße Wahn
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Veröffentlicht 2013, von Patricia Highsmith bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60396-5
Auflage: 2. Aufl.
448 Seiten

Über Patricia Highsmith

Über Christa E. Seibicke

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