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Erste Liebe - letzte Riten

Cover Erste Liebe - letzte Riten
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Kurztext / Annotation
"Die Mehrzahl dieser Geschichten handelt von Jugendlichen und davon, wie sie von der Welt der Erwachsenen verdorben werden. Die Unschuld der Pubertät wird weniger verloren als zerschmettert ... Nichts für Zimperliche, aber dieser Stil hat eine lakonische Brillanz, die Bände - andeutet. Nichts wird ausgesprochen, alles wird angetippt."

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er für Amsterdam Abbitte

Textauszug
[9] Das Hausmittel

Ich sehe es wieder vor mir, unser vollgestopftes, viel zu helles Badezimmer, und Connie, die, ein Handtuch um ihre Schultern gelegt, weinend auf dem Rand der Badewanne saß, während ich warmes Wasser ins Waschbecken laufen ließ und - so hochgestimmt war ich - 'Teddy Bear' von Elvis Presley pfiff, ich kann mich erinnern, ich konnte mich immer erinnern, wie Wollmäuse vom Überbett auf der Wasseroberfläche strudelten, aber erst kürzlich wurde mir vollends klar, daß, wenn dies das Ende einer bestimmten Episode war - falls man von Episoden, die sich im wirklichen Leben abspielen, sagen kann, daß sie überhaupt ein Ende haben, es Raymond war, der, sozusagen, Beginn und Mitte beherrschte, und falls es, was menschliche Belange betrifft, so etwas wie Episoden nicht gibt, sollte ich darauf bestehen, daß es in dieser Geschichte um Raymond geht und nicht um Jungfräulichkeit, Koitus, Inzest und Selbstbefleckung. Also lassen Sie mich damit anfangen, daß ironischerweise, und zwar aus Gründen, die erst sehr viel später einleuchten werden, und etwas [10] Geduld müssen Sie schon aufbringen, daß es, wie gesagt, ironischerweise ausgerechnet Raymond war, der mich auf meine Jungfräulichkeit aufmerksam machte. Eines Tages trat Raymond im Finsbury-Park an mich heran, und, indem er mich zu einigen Lorbeerbüschen lenkte, krümmte er seinen Finger und streckte ihn dann wieder, das alles äußerst geheimnisvoll und vor meinem Gesicht, wobei er mich ständig wachsam beobachtete. Ich sah mir das dumpf an. Dann krümmte und streckte ich meinen Finger ebenfalls und sah, daß ich das Richtige gemacht hatte, denn Raymond strahlte.

"Kapiert?" sagte er. "Kapiert!" Von seinem Überschwang beflügelt, sagte ich "ja", und zwar in der Hoffnung, daß Raymond mich dann zufrieden lassen würde, so daß ich wieder in Einsamkeit meinen Zeigefinger krümmen und strecken konnte, um so zu einem gewissen Verständnis seiner verwirrenden digitalen Allegorie zu finden. Raymond packte mich mit ungewohnter Intensität am Rockaufschlag.

"Na, was ist denn nun?" keuchte er. Um Zeit zu gewinnen, bog ich noch einmal meinen Zeigefinger und streckte ihn langsam wieder, ganz gelassen und selbstsicher, und zwar so gelassen und selbstsicher, daß Raymond den Atem anhielt und ob der Bewegung erstarrte. Ich betrachtete meinen aufgerichteten Finger und sagte:

[11] "Kommt ganz drauf an", wobei ich mich fragte, ob ich wohl noch am selben Tag erfahren würde, worüber wir eigentlich sprachen.

Raymond war damals fünfzehn, ein Jahr älter als ich, und obwohl ich mich ihm intellektuell überlegen fühlte - weshalb ich auch so tun mußte, als verstünde ich die Bedeutung seines Fingers -, war es Raymond, der Bescheid wußte, war es Raymond, der meine Erziehung lenkte. Raymond weihte mich in die Geheimnisse des Erwachsenwerdens ein, und das waren Geheimnisse, die er intuitiv ahnte, aber nie gründlich durchschaute. Die Welt, die er mir zeigte, all ihre faszinierenden Einzelheiten, Lehren und Sünden, die Welt, für die er so etwas wie ein fest engagierter Zeremonienmeister war, paßte eigentlich gar nicht zu Raymond. Er kannte diese Welt hinlänglich gut, aber sie wollte ihn - sozusagen - nicht näher kennenlernen. Wenn Raymond also Zigaretten hervorzog, war ich es, der es lernte, den Rauch tief zu inhalieren, Ringe zu blasen und wie ein Filmstar die Hände um das Streichholz zu wölben, während Raymond keuchte und fahrig hantierte; und später, als Raymond zum erstenmal in den Besitz von etwas Marihuana gelangte, wovon ich noch nie gehört hatte, war ich es, der stoned war bis zur Euphorie, während Raymond zugab - etwas, das ich nie getan hätte -, daß er überhaupt [12] nichts verspürte. Dann wieder war es Raymond mit seiner tiefen Stimme und seinem Bartflaum, dem es gelang, un

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Erste Liebe - letzte Riten
Auf die Merkliste

Veröffentlicht 2015, von Ian McEwan bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60635-5
Auflage: 1. Auflage
272 Seiten

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