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Hard-boiled Hard Luck

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Kurztext / Annotation
Hard-boiled Hard Luck Kitchen red banana flower

Textauszug
{7} Hard-boiled

{9} Der kleine Schrein

I ch war für ein paar Tage allein in den Bergen unterwegs, und eines Nachmittags wanderte ich jenen Waldweg entlang.

Es war ein angenehmer, von üppigem Grün umschlossener Weg, der parallel zur Landstraße den Berghang entlangführte.

Ich wanderte los, den Blick auf die schönen Muster gerichtet, die Licht und Schatten schufen.

Da fühlte ich mich noch vollkommen unbeschwert, wie am Beginn eines Spaziergangs.

Auf der Karte war der Pfad als Wanderweg ausgewiesen, der nach einer Weile wieder auf die Landstraße münden sollte.

Ich spazierte also frohen Mutes weiter durch die frühlingshaft warme Nachmittagssonne.

Aber der Weg entpuppte sich als weit beschwerlicher, als ich angenommen hatte - bald ging es steil auf und ab.

Während ich unverdrossen weitermarschierte, ging die Sonne allmählich unter, und am {10} leuchtend königsblauen Himmel funkelte auf einmal der Abendstern, hell und klar wie ein Edelstein. Am westlichen Horizont, über dem noch ein zartrosa Schimmer lag, wurden die feinen, spätherbstlichen Schleierwolken in weiches Licht getaucht und nach und nach von der Dunkelheit verschluckt. Der Mond war aufgegangen. Eine hauchdünne Sichel, wie das Weiße eines Fingernagels.

"Wenn das so weitergeht, werde ich dieses Städtchen nie erreichen!" sagte ich zu mir selbst. Ich war so lange still vor mich hin gelaufen, daß ich fast schon den Klang meiner eigenen Stimme vergessen hatte. Meine Knie waren müde, und die Zehen fingen an weh zu tun.

"Wie gut, daß ich das Hotel und kein Gasthaus genommen hab - das Abendessen hätte ich todsicher verpaßt!"

Ich wollte vorsichtshalber dort anrufen, aber mein Handy funktionierte nicht, ich war wohl immer noch zu tief im Wald. Plötzlich überfiel mich auch noch der Hunger. Nur noch ein kleines Stück, und ich sollte das Städtchen erreicht haben, in dem ich mir ein Hotelzimmer reserviert hatte. Dann würde ich dort irgendwo etwas Warmes essen, nahm ich mir vor und beschleunigte ein wenig meinen Schritt.

Als ich mich einer Kurve näherte, die sich außer {11} Reichweite der Straßenbeleuchtung befand, beschlich mich auf einmal ein furchtbar mulmiges Gefühl. Ich bildete mir ein, der Raum zöge sich wie Kaugummi und ich könnte laufen, so lange ich wollte - ich käme doch keinen Schritt voran.

Ich habe nie übersinnliche Kräfte oder so etwas besessen, aber es gab eine Phase in meinem Leben, in der ich zumindest gelernt habe, die unsichtbaren Dinge ein wenig zu fühlen.

Ich bin zwar eine Frau, aber ein einziges Mal hatte ich eine Beziehung mit einer anderen Frau. Sie konnte Dinge sehen, die für gewöhnliche Menschen unsichtbar sind. Vielleicht hat sie mich angesteckt oder meine Sinne dafür geschärft, jedenfalls habe ich, während ich mit ihr zusammenlebte, auch auf einmal zumindest so eine Art Gespür für solche Dinge bekommen.

Von ihr habe ich mich vor Jahren auf so einem Waldweg wie diesem hier, auf dem wir bei einem Autoausflug gelandet waren, für immer getrennt. An jenem Tag saß ich am Steuer. Wenn sie nicht mehr mit mir unter einem Dach zusammenleben könne, solle ich sie aussteigen lassen, flehte sie mich an, sie würde dann erst noch eine Weile herumreisen, bevor sie nach Hause zurückkehrte. Sie meinte es ernst. "Ich hab mich gleich gewundert, warum du so viel Gepäck mitgenommen hast", {12} entgegnete ich und begriff, daß sie von vornherein nicht vorgehabt hatte, mit mir zusammen zurückzufahren. Daß ich bei ihr ausziehen wollte, bedeutete für sie einen viel schwerwiegenderen Verrat, als ich mir vorgestellt hatte. Wie lange wir auch diskutierten, ihr Entschluß stand felsenfest. So fest, daß ich schon befürchtete, sie würde mich umbringen, wenn ich sie nicht augenblicklich aussteigen ließe.

Sie sagte:

"Ich will einfach ni

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Hard-boiled Hard Luck
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Veröffentlicht 2017, von Banana Yoshimoto bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60672-0
Auflage: 1. Auflage
144 Seiten

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