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Tsugumi

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Kurztext / Annotation
Auf der Halbinsel Izu erneuern zwei Mädchen jeden Sommer ihre Freundschaft: die Ich-Erzählerin Maria und die wilde Tsugumi, deren Temperament nicht so recht zu ihrer fragilen Gesundheit passen will. Es ist der letzte Sommer einer engen Mädchenfreundschaft.Tsugumi lernt einen jungen Mann kennen, der im Ort heftig angefeindet wird. Er scheint der einzige zu sein, der das eigenwillige Mädchen zu erobern vermag.

Banana Yoshimoto, geboren 1964, hieß ursprünglich Mahoko Yoshimoto. Ihr erstes Buch Kitchen red banana flower

Textauszug
{7} Geisterpost

Sicher, Tsugumi 1 war schon ein unmögliches Mädchen ...

Ich bin in einem verschlafenen Städtchen aufgewachsen, in dem sich alles um Fischerei und Tourismus dreht. Mittlerweile lebe ich in Tokyo und habe angefangen zu studieren. Hier macht mir das Leben auch großen Spaß.

Ich bin Maria Shirakawa. Ich trage den Namen der Heiligen Mutter Gottes.

Das soll aber nicht heißen, daß ich ein heiliges Gemüt besäße. Trotzdem, aus irgendeinem Grunde scheinen sich alle meine neuen Freunde hier in Tokyo über meinen Charakter einig zu sein: "Mensch, bist du nachsichtig", sagen sie, oder: "Du hast aber die Ruhe weg!"

Ich selbst würde mich ja eher als ungeduldig bezeichnen, als ganz normalen Menschen aus Fleisch und Blut. Und doch gibt es da ein paar Dinge, die mir seltsam vorkommen: In Tokyo regen sich die Leute sofort über alles auf, ob es nun regnet, die Vorlesung ausfällt oder ein Hund pinkelt. Ich bin da sicher anders. Kaum daß mich die Wut gepackt hat, verebbt sie auch schon wieder, wie Meereswasser, das sich vom Strand zurückzieht und im Sand versickert ... Wahrscheinlich, weil ich vom Lande bin, hatte ich mir bisher immer eingeredet, bis mir vor kurzem auf {8} dem Heimweg von der Uni alles klar wurde: Schäumend vor Wut starrte ich ins Abendrot - so ein blöder Prof hatte meine Klausur nicht mehr angenommen, nur weil ich gerade mal eine Minute zu spät abgegeben hatte -, und da wußte ich plötzlich:

"Tsugumi! Das ist alles ihre Schuld, nein, ihr Verdienst!"

Jeder Mensch wird ungefähr einmal am Tag stinksauer. Jetzt fiel mir auf, daß eine innere Stimme mir in solchen Situationen immer ganz mechanisch den entsprechenden Wert auf der nach oben offenen Tsugumi-Skala zuflüstert. Das wirkt wie eine Zauberformel. Was hat man schon davon, sich aufzuregen? Diese Einstellung muß ich mir zugelegt, ja verinnerlicht haben, als ich mit Tsugumi zusammenlebte. Ich starrte immer noch in den Abendhimmel, dessen leuchtendes Orange langsam schwächer wurde, und hätte am liebsten ein bißchen geweint.

Liebe ist ... wie die Japanischen Wasserwerke: Man kann verschütten, soviel man will, sie versiegt nie, selbst wenn man den Hahn ewig lange volle Kanne aufdreht. Ja, so ist das. - Keine Ahnung, wie ich in dem Moment darauf kam.

Die Geschichte, die ich erzählen will, handelt von Erinnerungen an meinen letzten Sommer in dem Küstenstädtchen meiner Jugend. Die vorkommenden Personen, die Menschen aus dem Gasthaus Yamamoto, sind längst von dort weggezogen, und ich glaube, ich werde nie wieder mit ihnen zusammenleben. Um heimzukehren, ist meinem Herzen kein anderes Zuhause geblieben als die Erinnerungen an die Zeit mit Tsugumi.

{9} Tsugumi war von Geburt an gesundheitlich furchtbar schwach, überall funktionierte etwas nicht bei ihr. Der Arzt hatte ihr ein kurzes Leben beschieden, und auch die Familie stellte sich darauf ein, weshalb sie von ihrer Umgebung verhätschelt und verwöhnt wurde. Ihre Mutter konsultierte Ärzte in ganz Japan und tat alles in ihrer Macht Stehende, um Tsugumis Leben auch nur um kurze Zeit zu verlängern. So kam es, daß sie zwar allmählich laufen lernte und heranwuchs, aber einen entschieden trotzköpfigen Charakter bekam. Es spornte sie nur noch mehr an, daß sie gesund genug war, um halbwegs normal leben zu können. Tsugumi hatte eine scharfe Zunge - boshaft, grob und unverschämt; hinterlistig war sie - mit Eigensinn und koketter Schmeichelei. Ihre triumphierende Miene, wenn sie gerade wieder ohne Umschweife und mit bewundernswertem Timing in treffende Worte gekleidet hatte, was ihr Gegenüber am meisten entsetzte, glich dem Antlitz des Teufels.

Ich wohnte zusammen mit meiner Mutter in einem Anbau des Gasthauses Yamamoto.

Mein Vater quälte sich in Tokyo mit der Durchsetzung der Scheidung von seiner schon lange

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Tsugumi
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Veröffentlicht 2017, von Banana Yoshimoto bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60675-1
192 Seiten

Über Banana Yoshimoto

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