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Die lauschenden Wände

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Kurztext / Annotation
Wie vom Erdboden verschwunden ist Amy Kellogg. Ihr Mann behauptet zwar, sie habe sich für einige Zeit freiwillig zurückgezogen. Er kann das auch durch einen Brief beweisen. Aber Gill, Amys Bruder, mißtraut ihm und beauftragt einen Privatdetektiv. Gills Verdacht scheint sich zu bestätigen, als sich herausstellt, daß Rupert lügt. Aber sind diese Lügen ein Beweis für seine Schuld?

Margaret Millar, geboren 1915 in Kitchener, Ontario, studierte klassische Philologie, Archäologie und Psychologie, brachte es als Pianistin zum Konzertdiplom, arbeitete in Hollywood und erhielt so die gediegene Ausbildung zum Verfassen von Psycho-Thrillern. Seit 1938 war sie mit Kenneth Millar, besser bekannt als Ross Macdonald, verheiratet. Die First Lady of Crime, gekrönt mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis und gefeiert als witzigste Analytikerin des American Way of Life and Death, starb 1994 in Santa Barbara.

Textauszug
{7} 1

V on ihrem Ruheplätzchen in der Besenkammer aus hörte Consuela die beiden amerikanischen Damen von 404 diskutieren. Die Kammer war so schmal wie der Weg zum Himmel und roch nach Möbelpolitur und Chlor und nach Consuela selbst. Aber es war nicht die Unbequemlichkeit, die ihre Siesta störte; es war die Anstrengung, die es sie kostete, zu verstehen, worüber die Amerikanerinnen diskutierten. Geld? Liebe? Was war da noch, fragte sich Consuela und wischte sich den Schweiß von Stirn und Nacken, mit einem der sauberen Handtücher, die sie genau um sechs Uhr in die Badezimmer hätte bringen sollen.

Es war jetzt sieben. Sie faltete das Handtuch wieder zusammen und legte es auf den Stapel zurück. Der Geschäftsführer war vielleicht ein wenig pingelig, was saubere Handtücher und genau eingehaltene Zeiten betraf, aber Consuela war es nicht. Ein paar Bazillen hatten noch niemandem geschadet, besonders wenn keiner wußte, daß sie da waren, und was war eine Stunde früher oder später angesichts der Ewigkeit?

Jeden Monat holte Señor Escamillo, der Geschäftsführer, die Hotelangestellten in einem der Bankettsäle zusammen und kläffte sie an wie ein nervöser Terrier.

"Jetzt hört mal her. Es hat Beschwerden gegeben. Ja, {8} Beschwerden. Also sind wir wieder einmal hier versammelt, und ich erkläre euch einmal mehr, daß die Amerikaner unsere besten Kunden sind. Wir müssen dafür sorgen, daß sie es bleiben. Gut. Was ist den Amerikanern am tiefsten verhaßt? Bazillen. Also gibt es bei uns keine Bazillen. Bei uns gibt es saubere Handtücher. Zweimal täglich saubere Handtücher, absolut bazillenfrei. Gut. Und jetzt das Wasser. Die Amerikaner werden nach dem Wasser fragen, und ihr werdet sagen, daß dieses Leitungswasser das reinste Wasser in ganz Mexico City ist. Gut. Irgendwelche Fragen?"

Consuela hatte eine Reihe von Fragen, etwa warum der Geschäftsführer in seinem Büro Wasser aus Flaschen benutzte, aber ihr Selbsterhaltungstrieb ließ sie schweigen. Sie brauchte den Job. Ihr Freund hatte ein Händchen dafür, auf der Rennbahn aufs falsche Pferd zu setzen, bei der Lotterie auf die falschen Nummern und in der quiniela auf den falschen Jai-alai-Spieler.

Die Diskussion zwischen den beiden Damen ging weiter. Sprachen sie über Liebe? Nicht sehr wahrscheinlich, entschied Consuela. Pedro, der Fahrstuhlführer und beste Spion im Hotel, sprach die beiden amerikanischen Damen mit Señora an, vermutlich hatten sie also irgendwo Ehemänner und machten Urlaub in Mexico City.

Geld? Auch nicht sehr wahrscheinlich. Beide Damen sahen wohlhabend aus. Die größere (ihre Freundin nannte sie Wilma) besaß einen langen, echten Nerzmantel, den sie ständig trug, sogar wenn sie zum Frühstück herunterkam, und wenn sie durch den Flur ging, klimperte sie wie ein Straßenbahnwagen, so viele Armbänder trug sie. Sie ließ nie etwas in ihrem Zimmer zurück außer einem verschlossenen Koffer. Consuela hatte rein {9} gewohnheitsmäßig die Kommodenschubladen durchsucht, aber sie waren alle so leer wie das Herz eines Sünders. Der verschlossene Koffer und die leeren Schubladen waren natürlich eine große Enttäuschung für Consuela, die ihre Garderobe beträchtlich erweitert hatte während der Monate, die sie im Hotel arbeitete. Hier und da gelegentlich ein Kleidungsstück verschwinden zu lassen war nicht wirklich Diebstahl. Es war mehr eine Sache des gesunden Menschenverstandes, sogar der Gerechtigkeit. Wenn einige Leute sehr reich waren und andere sehr arm, mußten die Dinge ein bißchen ausgeglichen werden, und Consuela trug ihren Teil dazu bei.

"Alles verschlossen", murmelte Consuela zwischen den Besen. "Und all die Armbänder. Klimper, klimper, klimper."

Sie nahm vier Badetücher vom Stapel, schwang sie sich über die linke Schulter und trat hinaus in den Korridor, eine gutaussehende junge Frau mit stolz zurückgeworfenem Kopf. Ihr selbstsichere

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Die lauschenden Wände
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Veröffentlicht 2016, von Margaret Millar bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60747-5
Mitwirkung: Übersetzt von: Karin Polz
Auflage: 1. Auflage
288 Seiten

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