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Expeditionen eines englischen Gentleman

Cover Expeditionen eines englischen Gentleman
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Kurztext / Annotation
Die Krönung von Haile Selassie zog 1930 ein schillerndes Publikum nach Addis Abeba. Mitten unter ihnen: Times

Textauszug
{32} II

T atsächlich muss ich immer wieder an Alice im Wunderland denken, wenn ich nach einer historischen Parallele für die Verhältnisse in Addis Abeba suche. Es gibt noch andere: Israel unter König Saul, das Schottland des Shakespeare'schen Macbeth , die Hohe Pforte, wie sie in den diplomatischen Depeschen des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts erscheint, doch nur in Alice findet man jene besondere Atmosphäre einer galvanisierten und verfremdeten Realität, wo Tiere Uhren in den Westentaschen tragen, Majestäten auf dem Krocket-Rasen neben dem Scharfrichter einherschreiten und eine Gerichtsverhandlung damit endet, dass plötzlich ein Kartenspiel durch die Luft segelt. Wie kann man den verrückten Zauber dieser äthiopischen Tage erzählen, lebendig werden lassen?

Zunächst einmal möchte ich ein Bild der Szenerie vermitteln. Addis Abeba ist eine neue Stadt, so neu, dass nichts an ihr wirklich fertig aussieht. Vor vierzig Jahren erwählte Menelik der Große dieses Feldlager im Hochland und nannte den Ort "Neue Blume". Bis dahin hatte die Regierung je nach Versorgungslage zwischen den alten, von Priestern beherrschten Städten des Nordens gependelt, doch das spirituelle Zentrum war immer Axum, so wie sich die französischen Könige an Reims orientiert hatten. Menelik {33} war der erste König, der mit der Axumer Krönungstradition brach, worunter seinerzeit sogar sein enormes militärisches Prestige litt. Zeitgenössische Autoren sehen in diesem Bruch ein Zeichen von Schwäche. Tatsächlich war dies ein notwendiges Element seiner Politik. Menelik war nicht mehr bloß König der christlichen amharischen Hochlandbewohner, sondern Beherrscher eines großen Reichs, das im Westen die schwarzen heidnischen Shangalla einschloss, im Osten die nomadischen kannibalischen Danakil, im Südosten die von Somaliern bewohnte Ogaden-Wüste und im Süden den großen fruchtbaren Landgürtel, der von den mohammedanischen Galla gehalten wurde.

In Addis Abeba, inmitten seines eigenen Volkes, fand er das neue Zentrum seiner Besitzungen, noch im Hochland gelegen, aber an dessen äußerstem Rand; unmittelbar am Fuß des Hochlands liegt das Gebiet der elenden Guraghi, jenes verachteten Volkes, das Bauarbeiter und Straßenkehrer stellt; Awash ist das Land der Galla. Addis Abeba ist der strategische Ort der Herrschaft über diese auseinanderstrebenden Besitztümer. Lij Iyasu zog eine noch radikalere Veränderung in Betracht. Sein Ziel oder das seiner Berater war es offenbar, das Reich von Harar aus umzugestalten und eine große mohammedanische Macht zu errichten, die im Falle eines Sieges über die großen europäischen Mächte die gesamte somalische Küste einschließen würde - eine über die Maßen ehrgeizige Vorstellung, die auch ohne europäische Intervention scheiterte. Die genauen Umstände seines Endes werden vielleicht nie bekannt werden, ebenso wenig, inwieweit seine Pläne überhaupt klar formuliert waren. Fest steht, dass er mit dem "verrückten Mullah" {34} in Britisch-Somaliland korrespondierte. In seinen letzten Lebensjahren soll er sich vom Christentum abgewendet haben. Die mohammedanische Herkunft seines Vaters verlieh solchen Berichten zusätzliches Gewicht, und als Beweis galt sein (angeblich in Harar aufgenommenes) Porträt, das ihn mit einem Turban zeigt. Nach Ansicht vieler Leute wurde dieses eindeutige Beweisstück jedoch in Addis Abeba von einem armenischen Fotografen fabriziert. Ob diese Einzelheiten stimmen oder nicht, fest steht, dass dieser unselige junge Mann, entgegen vielen Behauptungen, nicht wegen seines aufwendigen Lebensstils stürzte, der ihn seinen einfacheren Untertanen eher sympathisch machte, sondern wegen der Vernachlässigung dessen, was noch auf Jahre hinaus die Stärke des äthiopischen Reichs ausmachen dürf te - die christliche Religion und die kämpferischen Qualitäten der amharischen Hochlandbewohner. Lij

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Expeditionen eines englischen Gentleman
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Veröffentlicht 2018, von Evelyn Waugh bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60881-6
Auflage: 1. Auflage
336 Seiten

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