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Die einsame Passion der Judith Hearne

Cover Die einsame Passion der Judith Hearne
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Kurztext / Annotation
Die aufrüttelnde Geschichte einer unverheirateten Frau mittleren Alters, die in einer Pension in Belfast wohnt und kaum mehr besitzt als einen letzten Rest Hoffnung auf die große Liebe und ein häusliches Leben. Sie wartet. Als ihr mit Vierzig plötzlich klar wird, daß Warten bisher nichts gebracht hat, macht die unscheinbare Judith einen letzten verzweifelten Versuch, nach dem Leben zu greifen.

Brian Moore, geboren 1921 in Belfast, diente als britischer Soldat in Nordafrika von 1943 bis 1945, war UNO-Beauftragter in Polen von 1946 bis 1947 und 1948 wanderte er nach Kanada aus. 1959 übersiedelte Moore nach Kalifornien. Er starb am 11. Januar 1999 in seinem Haus in Malibu.

Textauszug
{24} 2

Beim Erwachen erblickten ihre Augen die Zimmerdecke, das kalte Licht welchen Tages? Das dem Begreifen vorausgehende Sehen vermerkte barmherzig vertraute Gegenstände in der Fremdheit des Ganzen, führte das noch blinde Denken zum Erinnern.

Sie setzte sich auf. Das Haar fiel ihr auf die Schultern, und sie spürte einen eisigen Zug durch den Flanellstoff des Nachthemds. Ihre im feuchten Geschmiege von Decken erwärmten Schenkel und Waden waren noch entspannt und schlaff. Das vergoldete Zifferblatt des Reiseweckers zeigte zehn nach sieben. Sie legte sich wieder zurück, zog die gelben Decken bis ans Kinn und betrachtete das Zimmer.

Ein breiter Stuhl mit gerader Rückenlehne stand in der Nische am Erkerfenster, ein alter Pensionär, der auf die Straße hinaussah. In der Nähe des Bettes ein Frisiertisch, vertraut gemacht durch ihre Flasche Kölnisch-Wasser, durch die Kämme und Bürsten und die kleine runde Schminkdose. Jenseits des abgewetzten Teppichs stand ein Kleiderschrank aus braunem lackiertem Holz mit einem hohen Spiegel in der Tür. Sie blickte in den Spiegel und sah das untere Ende des Bettes mit dem kleinen Berg, den ihre Füße unter den weichen Decken machten. Der Schrank war mit Schnecken und Schnörkeln verziert, und auf jeder Seite des Spiegels gab es einen Kreis aus hellfarbenem Holz. Die Kreise erschienen ihr wie Augen, traurige {25} hölzerne Augen links und rechts von der reflektierenden Spiegelnase. Sie blickte von diesen Augen fort zu dem weiß-marmornen Kaminsims mit der einen gesprungenen Stütze und dem orientalischen Muster des Messingvorsatzes. Genau aus dem Mittelpunkt dieses Arrangements heraus wünschte ihre Tante D'Arcy Guten Morgen in silber- und sepiagetönter Arroganz, während neben dem Gasofen ein durchgesessener, grünbezogener Lehnstuhl auf seine menschliche Bürde wartete. Der Teppich unter dem Kaminsims war zu braunen Fasern abgewetzt. Sie ließ den Blick schnell weiterwandern über das kleine Waschbecken, den Nachttisch mit seiner grünen Lampe bis hin zu der beruhigenden Sicherheit ihrer zwei großen reisefertig aussehenden Koffer mit ihren schwarzen Deckeln und Messingbeschlägen.

Sie drehte sich auf die Seite und hakte den schweren wollenen Morgenrock vom Bettpfosten, zog ihn sich über die Schultern, streckte die Füße aus dem Bett und schob sie in wollige blaue Pantoffeln. Kalt, ein kaltes Zimmer. Rasch ging sie zum Gasofen, schaltete ihn ein und hörte dann das erschrockene Blubb, als das Streichholz ihn zum Leben erweckte. Sie breitete ihre Unterkleider zum Anwärmen davor aus und huschte über den Teppich wieder ins Bett. Fünfzehn Minuten, sagte sie sich, fünfzehn Minuten dauert es mindestens, bis es ein wenig warm geworden ist.

Aber sie hatte ja keine Eile. Freitag, ein langweiliger Tag, ein Tag ohne irgend etwas, das getan werden mußte. Obwohl es gewiß interessant sein würde, beim Frühstück festzustellen, was Mrs. Henry Rice auftrug und wer die anderen Hausgäste waren. Sie blieb noch zwanzig Minuten liegen, wusch sich dann mit kaltem Wasser und stellte {26} sich zitternd in den dürftigen Wärmekreis des Ofens. Unter der bergenden Hülle des Nachthemds zog sie ihre Unterwäsche an, eine Angewohnheit aus ihrer Zeit im Herz-Jesu-Kloster von Armagh, obwohl das Motiv längst nicht mehr die Züchtigkeit, sondern das Warmhalten war, und das nahm unter mühsamem Zupfen und Zerren einige Zeit in Anspruch. Als sie sich schließlich das Nachthemd über den Kopf streifte, war sie bis auf das Kleid selbst fertig angezogen. Jetzt kam das morgendliche Haarbürsten an die Reihe. Sie legte darauf großen Wert: Es hielt das Haar dunkel, pflegte sie zu sagen, und auch wenn man es nicht gewaschen hatte, bewahrte es seinen Glanz und seine Farbe. Ihr Haar - ein sichtbarer Beweis - war dunkelbraun und von feiner Dichte und weichem Schimmer.

Also saß sie allmorgendlich gewissenhaft vor dem Spiegel, den Kopf zur Seite gene

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Die einsame Passion der Judith Hearne
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Veröffentlicht 2018, von Brian Moore bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60885-4
Auflage: 1. Auflage
320 Seiten

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