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To die, or not to die (eBook)

14 Shakespeare-Krimis

Cover To die, or not to die (eBook)
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Kurztext / Annotation
Nicht schwarz oder weiß sind die Charaktere, sondern bunt, oft zerrissene Naturen, wie sie nur das echte Leben kennt. Denn William Shakespeare war vor allem eins: ein ausgezeichneter Beobachter. Die Zeitlosigkeit seiner Stu cke wurzelt in der Gabe, tief in die menschliche Seele zu blicken - bis hinab in ihre Abgru nde. Zum 450. Geburtstag des Meisters verneigen sich 12 Autoren vor seinem Können und weben aus den klassischen Stoffen 12 fesselnde Krimigeschichten. Getreu dem Hamlet-Motto 'In der Ku rze liegt die Wu rze' wird neu interpretiert, modernisiert, fortgeschrieben und nicht zuletzt nach Herzenslust kriminalisiert - ganz wie es uns gefällt ...

Thomas Kastura, geboren 1966, studierte Germanistik und Geschichte und arbeitet als Kulturjournalist. Seit 1998 veröffentlichte er zahlreiche Erzählungen, Jugendbücher und Kriminalromane, u. a. Der vierte Mörder (Platz 1 auf der KrimiWelt Bestsellerliste). Der Autor lebt mir seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Bamberg.

Textauszug


Friedrich Ani · Allerseelen

Sie lässt ihn zwei Minuten warten, bevor sie in den Vernehmungsraum geht und sich ihm gegenüber an den Tisch setzt. Er hält die Arme verschränkt, zeigt keine Regung. Die Protokollantin an der Kopfseite des Tisches blickt konzentriert auf ihren Laptop. Heute Morgen hat sie mit ihrem sechsundzwanzigjährigen Sohn in Sydney telefoniert, der ihr mitteilte, er werde trotz der sich ausbreitenden Buschbrände weiter durchs Land reisen, fotografieren, sich jeden Abend betrinken und keinen Gedanken an die Rückkehr verschwenden. Seine Mutter, Lisbeth Fernau, ist achtundfünfzig, seit zwanzig Jahren Single mit wechselnden Männerbekanntschaften, und wenn sie über ihr Leben nachdenkt, gerät sie in einen Strudel aus Schatten und Verzweiflung, gegen den sie sich mit einem Übermaß an Überstunden zu wehren versucht. Seit jeher gilt sie im Dezernat als eine der zuverlässigsten Protokollantinnen. Auch in schwierigen Situationen behält sie die Kontrolle und lässt sich offenbar von keinen noch so grauenhaften Schilderungen irritieren. Einige Kommissare fordern für ihre Befragungen ausschließlich sie an, weil sie dann sicher sein können, dass Lisbeth Fernau auch die stummen Momente präzise wiedergeben wird und die Niederschrift mit den nötigen Randnotizen zum Verhalten des Zeugen oder Beschuldigten versieht.

Am Morgen dieses 2. November wäre Lisbeth am liebsten zur Corneliusbrücke gegangen und in den Fluss gesprungen.

Von solchen Gedanken ist in ihrem schmalen, dezent geschminkten Gesicht mit den wachen blauen Augen und der leicht schräg stehenden Nase nichts zu lesen. Oberkommissarin Anna Welz hat sie auf dem Flur begrüßt und gedacht, dass sie selbst gern so ausgeglichen und tatendurstig wäre wie die ehemalige Postangestellte, die damals eher zufällig im Polizeipräsidium gelandet ist.

Für Anna Welz, einundvierzig, bedeutet die erneute Begegnung mit dem Zeugen, der für acht Uhr einbestellt worden und auf die Minute pünktlich erschienen ist, eine Herausforderung, die ihre kriminalistischen Fähigkeiten nur untergeordnet betrifft.

Es fällt ihr schwer, den Mann überhaupt nur anzuschauen und seinen vollkommen undefinierbaren Körpergeruch zu ertragen.

Sie ertappt sich bei Vorurteilen. Seine Gegenwart hat sie vom ersten Augenblick an mit Misstrauen und einer Art von Abscheu erfüllt, wie sie es bisher von sich nicht gekannt hat. Manchmal dreht sie den Ton des Fernsehers leiser, wenn die Greuel eines fernen Krieges in ihr Wohnzimmer dringen. Oder sie wendet sich beim Anblick von Gästen in einem Restaurant ab, die ihr Essen maßlos in sich hineinstopfen. Und sie hat kein Problem damit, gewisse Politiker zu verachten und ihre Einstellung vor Kollegen oder Freunden offen zu zeigen.

Aber wenn sie als Polizistin oder einfache Bürgerin mit Personen in Kontakt kommt, die Nähe und Aufmerksamkeit von ihr einfordern, versteckt sie ihr Herz so wenig, wie sie eine vorgefasste Meinung in ihrem Kopf zulässt. Sie hört zu und versucht zu verstehen. Ihre Fragen sind nicht suggestiv, sondern entspringen ihrer Neugier oder einer professionellen Notwendigkeit. Und wenn die Dinge, die sie erfährt, sie erschrecken, verwirren oder verstören, reagiert sie darauf mit noch intensiverem Zuhören und ihrer erlernten Fähigkeit, Wichtiges von Belanglosem, blanke Lügen von unmittelbarer Not gehorchenden Unwahrheiten zu unterscheiden.

Trotz ihrer harten Erfahrungen im Drogen- und Morddezernat gesteht Anna Welz noch immer den meisten Menschen das Recht auf Irrtümer zu und hält den Willen zur Umkehr nicht von vornherein für Selbstbetrug. Für Zynismus, meint sie, habe sie nach ihrer Pensionierung noch Zeit. Vorher gelte für sie das Naturgesetz der Nächstenliebe, welche nicht einem abstrakten religiösen Prinzip entspringe, sondern Teil jenes ungeschriebenen Vertrages sei, den jeder Mensch bei seiner Geburt als Mitglied einer aufeinander angewiesenen Gemeinschaft unbewusst u

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover To die, or not to die (eBook)
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Veröffentlicht 2015, von Thomas Kastura, Thomas Kastura(Hg.) bei ars vivendi

ISBN: 978-3-86913-444-4
304 Seiten

Über Thomas Kastura

language="ger">Thomas Kastura studierte Germanistik in Bamberg. Nach einer Tätigkeit als Lehrbeauftragter der Universität Bamberg arbeitet er als freier Journalist für den Bayerischen Rundfunk und verschiedene Zeitungen und Zeitschriften.


Über Thomas Kastura

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