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Der Gott der letzten Tage

Roman

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Kurztext / Annotation
Ein Mann liegt im Sterben. Er weiß, dass er sterben muss. Und er ist vorbereitet darauf. Wer, wenn nicht er? Ein Pfarrer, Sterbebegleiter, Prediger, bekannt für seine wundervollen Grabreden. Doch jetzt, künstlich beatmet, kann er nicht mehr sprechen. "Es hat Gott gefallen, ihn zum Schweigen zu bringen." Dafür ergreift Gott jetzt selber das Wort und hat ihm einiges zu sagen. Dieser Gott, der da mit ihm spricht, duldet kein Pathos, keine Ausreden, keine Überhöhungen.
"Wer bist du", fragt der Sterbende ihn, "bist du der richtige Gott, der Gott?" - "Ich bin dein Gott", antwortet er.
Und dann geht es zur Sache. Die Sache, das ist das Leben, das dem sterbenden Mann durch den Kopf rauscht. Seine Lieben, sein Glaube, seine Verfehlungen. Es ist eine sehr, sehr lebendige Sache, zu sterben. Ein großer, spannender Kampf, der auf Leben und Tod, von dem dieses Buch erzählt. Was geschieht am Ende mit uns? Wie blicken wir auf das Leben, das wir gelebt haben? Die Menschen, die uns verbunden sind? Wie fühlt der Abschied sich an, der endgültig ist? Auch der Abschied von uns selbst? Am Ende, das wissen wir, wartet eine Erfahrung, die alles andere in den Schatten stellt.

Jahrgang 1944, aufgewachsen in Unna am Rande des Ruhrgebietes. Studium der Germanistik, Anglistik und Evangelischen Theologie in München und Heidelberg. Seit 1981 Autorin von Romanen. Darunter der Bestseller "Evas Cousine", den die New York Times unter die Notable Books of the Year wählte.
Von 1992 bis 2012 Professorin an der Filmakademie Baden-Württemberg und Drehbuch-Dramaturgin.
www.sibylle-knauss.de

Textauszug
Was heißt das, nein?

Keine Vollmacht.

Er möchte streiten. Ihm ist danach. Einen guten alten Streit mit Sebastian, den braucht er jetzt. Was erlaubt sich der Junge? Ihn zu entmündigen? Geht das schon wieder los? Vor ein paar Monaten hat er von ihm verlangt, dass er ihm das Haus überschreibt. Das könnte ihm so passen. Dass er in seinem eigenen Haus nicht mehr der Herr ist. Was glaubt der eigentlich? Dass man über seinen Kopf hinweg einfach entscheiden kann? Kommt gar nicht in Frage. Nie. Nur über meine -

Das reicht!, sagt Gott.

Verstehst du nicht, sagt Sebastian. Ich muss Rechnungen bezahlen. Versicherungen. Finanzamt. Dein Auto abmelden. Ich brauche eine Generalvollmacht. Auch fürs Krankenhaus. Die Ärzte geben mir sonst keine Auskunft mehr. Und einer muss auch Entscheidungen treffen. Einwilligen, welche Behandlung -

Ich, sagt er. Das Wort ist seltsamerweise artikulationsschwach. Man kann es mit kaum bewegtem entspanntem Mund sprechen. Er aber presst seine Lippen an die Zähne, bleckt sie wie ein Tier, das drohen will. Doch es ist ein Tier, das am Boden liegt und schon besiegt ist.

Vater, sagt Sebastian, du bist nicht immer wach. Nach jedem Atemnotfall legen sie dich, manchmal für Tage, ins Koma. Es muss jemanden geben, der dann Entscheidungsbefugnis hat.

Generalvollmacht. Ein Wort, das keine Fragen, das gar nichts mehr offen lässt. Keine Klauseln. Keine Ausnahmen. Nichts. Generalvollmacht. Für immer. Für alle Fälle. Und für den Fall aller Fälle.

Es tritt doch nur da in Kraft, wo du selber nicht mehr entscheiden kannst. Eine Pause entsteht. Was ist, Vater?

Ich denke nach, artikuliert er.

Du weißt doch, dass du dich auf mich verlassen kannst, sagt Sebastian. Das weißt du doch, Vater.

Verlassen. Was für ein Wort. Die Wörter in ihm gewinnen ein eigenes Leben. Sie dienen nicht mehr der distinkten Verständigung. Sie fallen in sein Bewusstsein, tauchen bis auf den Grund, rühren den Schlamm auf, der sich dort abgelagert hat, vermischen sich, trüben es ein, ziehen ihn mit auf den Grund hinab. Verlassenheit. Verlässlichkeit. Irgendwo muss die Wurzel von beidem sein. Tiefer. Noch tiefer. Da, wo kein Gedanke hinabreicht. Nur noch ein Bild. Nur Erinnerung. Nebeneinander standen sie auf der Treppe. Ich gehe jetzt, sagte sie. Und jeder von ihnen beiden griff nach des Anderen Hand, als sie sich wegdrehte und mit den übrigen Kindern das Haus verließ. Er und ich. Ich und er. Und der Satz: "Er braucht mich." Reziprok. Beide führen ihn seither im Mund. Es ist, als habe Margarethe sie mit demselben Bann belegt, als sie beide gleich tief und gleich schmerzhaft verwundete, indem sie sie zu Verlassenen machte.

Verlassenheit und Verlässlichkeit. In der Etymologie ihres Lebens ist es dasselbe. Immer unter einem Dach gelebt. Selbst als Sebastian in einer zweihundert Kilometer entfernten Stadt arbeitete, kam er jeden Abend nach Hause, als sei das keine Option, dass erwachsene Söhne ausziehen und ein eigenes Leben beginnen. Freundinnen? Selten. Eher beiläufig. Anlassgeberinnen für das Zerwürfnis, das mit großer Verlässlichkeit bald folgte. Nicht im Liebeswerben, im Streit wird er großartig. Im Zerwürfnis tritt hervor, was den Glanz seiner Person ausmacht und sein innerstes Wesen zum Schillern bringt. Es hat sich keine Frau gefunden, die das würdigt. Sie zogen sich immer verschreckt zurück, wenn er ihnen zeigen wollte, was in ihm steckt, so wie er es Geschwistern, Lehrern, Kollegen gezeigt hat. Freunde gibt es nicht. Bleibt nur sein Vater. Er braucht ihn so! Auch für den Streit. Ihre physischen Kämpfe endeten erst, als der eine zu schwach und der andere zu stark geworden war. Doch die wütenden Debatten treten mit großer Verlässlichkeit auf den Plan. Es gibt schon lange kein Handgemenge mehr. Das Äußerste ist

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Der Gott der letzten Tage
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Veröffentlicht 2017, von Sibylle Knauss bei Klöpfer & Meyer Verlag

ISBN: 978-3-86351-271-2
184 Seiten

Über Sibylle Knauss

language="ger">Sibylle Knauss, Jahrgang 1944, wuchs im Ruhrgebiet auf und studierte Germanistik und Theologie. Sie ist Autorin zahlreicher Romane, darunter der Bestseller »Evas Cousine«, den die New York Times im Jahr 2002 unter die Books of the Year wählte. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete sie als Professorin an der Filmakademie Baden-Württemberg im Bereich Drehbuch. Sibylle Knauss lebt in der Nähe von Stuttgart.


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