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Predigtstudien 2018/2019

Perikopenreihe I - 2. Halbband

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Kurztext / Annotation
Eine gute Predigt lebt davon, den vorgegebenen Bibeltext in die Sprache der Menschen heute zu übersetzen. Seit über 50 Jahren sind die Predigtstudien bei dieser Herausforderung ein unverzichtbares Hilfsmittel. Jeder Predigttext wird jeweils von zwei Autoren im Dialog bearbeitet.
Das Autorenteam besteht aus jüngeren und älteren Theologinnen und Theologen, die in Gemeindearbeit, Kirchenleitung und Wissenschaft tätig sind. Diese bunte Vielfalt an Erfahrungen inspiriert zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit den manchmal allzu vertrauten Bibeltexten und der Lebenssituation der Predigthörerinnen und -hörer. Deshalb dürfen die Predigtstudien auch heute in keinem theologischen Haushalt fehlen.

Wilhelm Gräb, Dr. theol., geb. 1948, in Bad Säckingen/Rhein; 1987-1992 Pfarrer in Göttingen; 1993-1999 Professor für Praktische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum; seit 1999 Professor für Praktische Theologie mit den Schwerpunkten Homiletik, Seelsorge und Kybernetik an der Humboldt-Universität zu Berlin, Leiter des Instituts für Religionssoziologie; seit 2001 Berliner Universitätsprediger; seit 2011 Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Universität Stellenbosch, RSA.

Textauszug
Homiletischer Essay

Johann Hinrich Claussen

Ach, die 'politische Predigt'!

Die 'politische Predigt' ist ein Thema, bei dem sich viele sehr gern aufregen, heftig dafür oder dagegen sind. Dabei gibt es wenig, was so überschätzt wird - und zwar von Anhängern wie Gegnern gleichermaßen. Die Anlässe wechseln, der Effekt bleibt derselbe: Eine Predigerin oder ein Prediger verkündet eine Meinung zu einer aktuellen politischen Frage, die Leute schäumen oder jubeln - je nachdem, wie es in ihren Meinungshaushalt passt. In der vergangenen Saison hat der Tweet eines Journalisten über eine Predigt an Heiligabend, die er nicht zu Unrecht misslungen fand, den Anstoß zu allerlei Bewegungen im Internet gegeben. Eine Politikerin hängte sich dran und diktierte einer Boulevard-Zeitung Populistisches in die Feder, um in der nachrichtenarmen Zeit auch einmal vorzukommen. So war es wie jedes Jahr zu Weihnachten bei Loriots Hoppenstedt-Familie: 'Und dann gibt es ein großes Hallo!'

Man wundert sich. Denn im Vergleich zu früher erscheinen die evangelische und katholische Kirche heute fast schon entpolitisiert. Die katholische Kirche hat ihre enge Verbindung mit dem politischen Konservatismus längst gelöst, und die evangelische ist überhaupt nicht mehr so protestbewegt wie etwa in den Siebzigerjahren. Die heftigen Pendelbewegungen des vergangenen Jahrhunderts - zunächst schroff antidemokratisch, dann forciert antiautoritär - sind einem vagen Zittern gewichen. Kaum jemand tritt mehr mit dem Völlegefühl auf eine Kanzel, die einzig mögliche Wahrheit zu verkünden, oder spricht den Anhängern anderer Meinungen mal eben ab, auch Christen zu sein. Wenn Predigende heute an etwas leiden, dann ist es weniger ein Übermaß an Selbstgewissheit als eine tiefe Verzagtheit. Darin sind sie ein Spiegel der deutschen Gesellschaft. Noch geht es uns sehr gut. Aber wie lange noch? Radikale Veränderungen kündigen sich an. Nur, was sollen wir tun? Wir haben viele Ängste. Doch was dürfen wir hoffen, können wir glauben? So genau weiß das niemand zu sagen. Da Unsicherheit schwer auszuhalten ist, wird sie gern aggressiv abreagiert - in Meinungskundgaben. Aber wenig ist so langweilig wie Meinungen, so vorhersehbar, so abhängig von Alter, Schicht, Bildungsstand und Milieu. Wenig ist so wirkungslos. Kleine Testfrage: Welche politische Entscheidung der vergangenen dreißig Jahre wurde aufgrund einer kirchlichen Meinungsäußerung getroffen?

Gleichwohl bleibt die Predigt eine bedeutsame Einrichtung. Dass häufig so schlecht über sie geredet wird, kann man als Zeichen dafür nehmen, dass etwas von ihr erwartet wird, nämlich dass sie aus der christlichen Botschaft etwas gewinnt, das den Hörern dabei hilft, zur Besinnung zu kommen, ihr Leben zu deuten und auszurichten, das eigene Urteil im Wortsinne zu 'bilden'. Das kann durchaus eine politische Bedeutung annehmen. Doch welche genau? Bei denen, die heftig dafür oder erbittert dagegen sind, dass Prediger sich politisch äußern, bleibt genau dies unklar. In Deutschland sind Staat und Religion getrennt. Die Kirchen sind keine Parteien und haben keine Macht. Zugleich aber sind sie Teil der Polis, gehören zur Gesellschaft. Hier, in diesem öffentlichen Raum zwischen dem Staat und dem Privaten, wird über die drängenden Grundfragen dieses Landes diskutiert. Es ist ein Charakteristikum deutscher Religionskultur, dass die Kirchen - wie alle Religionsgemeinschaften - dabei als zivilgesellschaftliche Akteure neben anderen mitwirken. Sie erhalten die Chance, gut hörbar ihre Anliegen zu vertreten, müssen sich aber geltenden zivilisatorischen Standards fügen. Obwohl dies von ganz links und neuerdings von ganz rechts bekämpft wird - da sind sich Teile der LINKEN und der AfD erstaunlich einig -, gibt es gute Gründe anzunehmen, dass diese liberale Religionskultur sinnvoller ist als ein doktrinärer Laizismus.

Für die Kirchen heißt dies, dass sie die Chance und die Aufgabe haben, für Humanität

Beschreibung für Leser
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