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Leben auf dem Land

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Kurztext / Annotation
Sue Hubbell, ehemals Bibliothekarin in Rhode Island, dann Bienenzüchterin auf einer einsam gelegenen Farm in Missouri, zeigt uns mit feinem Humor und naturwissenschaftlicher Kenntnis, wie viel wir von Bienen und Fledermäusen, von Insekten und Pflanzen lernen können, kurz: von den faszinierenden Beziehungen und Prozessen in der Natur.

Sue Hubbell, geboren 1935 als Tochter eines Botanikers, ist Autorin zahlreicher Werke über Naturgeschichte und Bienenkunde. Ihre Bücher Leben auf dem Land A Country Year A Book of Bees New York Times Book Review The New Yorker Smithsonian

Textauszug
{25} Vor ein paar Jahren saß ich an einem Frühlingsabend in dem braunen Ledersessel im Wohnzimmer, las Zeitung und war mit mir und der Welt zufrieden, als ich plötzlich merkte, dass ich nicht mehr allein war. Ich schaute auf: Meine drei raumhohen Fenster waren voller Frösche.

Es waren Hunderte: zollgroße Fröschchen mit hauchdünnen Schwimmhäuten und fingerartigen Zehen, mit deren Saugnäpfen sie an den glatten Flächen hafteten. Nach der Form ihrer Zehen, ihrer Größe und den hellen Bäuchen zu schließen, mussten es Wasserpfeifer sein. Hyla crucifer . Ich ging hinaus, um sie näher in Augenschein zu nehmen, musste aber aufpassen, wohin ich die Füße setzte, denn im Gras vor den Fenstern wimmelte es nur so von Fröschen, die geduldig darauf warteten, die erleuchteten Fenster zu erklimmen. Tatsächlich hatte jedes der braunrosa Tiere die dunkle Kreuzzeichnung auf dem Rücken, der die Spezies ihren wissenschaftlichen Namen verdankt. Dass sie vom Licht angelockt werden, war mir neu.

Ich ließ meine Zeitung Zeitung sein und brachte den Abend damit zu, die Gesellschaft zu beobachten. Sie kletterten kaum über die Fensterrahmen hinaus und saßen an Scheiben und Profilen, als könnten sie sich nicht {26} entscheiden, was als Nächstes zu tun sei. Am folgenden Morgen waren sie verschwunden, und ich habe sie seitdem nie wieder an den Fenstern gesehen. Ein eigenartiges Verhalten.

Es waren stumme Fensterkletterer; Wasserpfeifer bemerkt man gewöhnlich nur gegen Ende des Winters, im Februar, wenn ihre schrillen, einem Pfeifen ähnlichen Paarungsrufe von dem Teich oben in der Wiese herabtönen. Die Männchen erzeugen diese Rufe, indem sie Maul und Nasenöffnungen schließen und Luft aus der Lunge über die Stimmbänder ins Maul und anschließend über die Stimmbänder wieder zurück in die Lunge pressen. Der Laut lockt die Weibchen an den Weiher, und sobald sie im Wasser sind, umklammern die Männchen sie und platzieren ihre Kloake genau über derjenigen der Weibchen. Die Weibchen setzen dann den Laich ab, und die Männchen befruchten ihn.

Sie ist eine gesellige Angelegenheit, diese Froschpaarung, und die Frösche sind so zahlreich und ihre Rufe so schrill und durchdringend, dass ich abends gern zum Teich hinaufgehe und diesem für den Menschen so erheiternden und zugleich seltsam aufwühlenden Chor lausche. Eines Abends war ich mit einem Freund dort oben, und wir saßen lange am Ufer. Jede Unterhaltung wäre unpassend und ohnehin unmöglich gewesen. Das Froschkonzert hüllte uns ganz ein, füllte uns aus, hallte mit hysterisch-schriller Eindringlichkeit wider, vertrieb jeden konzentrierten Gedanken aus unseren Köpfen und zwang uns, Laute nicht nur zu hören, sondern auch zu fühlen.

Als wir uns auf dem Rückweg zu meiner Hütte darüber unterhielten, stellten wir verblüfft fest, dass wir uns {27} unabhängig voneinander beide gefragt hatten, ob es sich so anfühlt, wenn man den Verstand verliert.

Ein etwas größerer Verwandter des Wasserpfeifers aus derselben Gattung ist der Graue Laubfrosch, der sich über die Sommermonate oft in meinen Bienenstöcken einnistet. Die Frösche hängen unter der Wetterschutzabdeckung des Stockes, und wenn ich die Abdeckung hochhebe, lassen sie sich ganz ohne Eile auf den inneren Deckel plumpsen und sehen mich ruhig an.

Sie sind von einem angenehm weichen Graugrün mit dunkleren moosgrünen Flecken, und wenn sie in einem Baum sitzen, sehen sie aus wie ein Stück flechtenüberzogener Rinde. Mit dieser im Zuge der Evolution entstandenen wunderbar erfolgreichen Tarnfärbung ist der Graue Laubfrosch in brenzligen Situationen am sichersten, wenn er stillhält und so tut, als sei er tatsächlich ein Stück Rinde. Auf dem weißen inneren Deckel des Bienenstocks nützt ihm seine Tarnung allerdings herzlich wenig, aber das weiß er natürlich nicht, und da er nicht gelernt hat, dass es von Nutzen sein kann, weithin sichtbar davonzuhüpfen, bleibt er sitzen und beäugt mich, so kom

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Leben auf dem Land
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Veröffentlicht 2016, von Sue Hubbell bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60713-0
Auflage: 2. Aufl.
272 Seiten

Über Sue Hubbell

Über Barbara Heller

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