Menü

Rezensionen

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | ... | 1500 | 1501 | 1502 | 1503 | 1504 | 1505 | 1506 | 1507 | >> 



Abenteuer Geschmack!
von Antje de Vries
Interessantes Kochbuch für Gemüsefans und solche die es werden wollen 17. November 2019
"Abenteuer Geschmack" lädt dazu ein, viele Zutaten auf eine ganz andere Art und Weise zu erleben, wie bisher.

Zunächst folgt ein interessanter Theorieteil in dem man erfährt, was Hören, Riechen und Fühlen mit dem Geschmack zu tun haben und ihn beeinflussen.

Danach werden 15 verschiedene Gemüsesorten vorgestellt. Hierbei ist von Karotten über Spargel und Auberginen alles dabei. Über jede Zutat gibt es auch einen Theorieteil, in dem man mehr über beispielsweise verschiedene Sorten oder Nährstoffe erfährt, danach folgen ca. 5 Rezepte bei denen das jeweilige Gemüse im Vordergrund steht.

Man erfährt viele Anregungen, bekannte Gemüsesorten ungewöhnlich zu kombinieren oder anders zuzubereiten, um neue, sehr interessante Geschmackserlebnisse zu entdecken.

Der Rezeptteil ist zum Theorieteil etwa gleich gewichtet, sodass "Abenteuer Geschmack" auch kein reines Kochbuch, sondern viel mehr ein Sachbuch ist. Ich persönlich hätte mir noch etwas mehr Rezepte gewünscht.

Die Rezepte sind alle für 4 Personen konzipiert und sehr ansprechend und appetitlich bebildert.

Fazit: Ein sehr schönes Kochbuch für Gemüsefans und solche die es werden wollen!
MäcMief trifft Nessie ...?! 17. November 2019
Klappentext:

Zelten am Loch Ness?! Das ist ja ungeheuerlich!
Mäc Mief ist entsetzt: Sein Lieblingsmensch Finn will zum Loch Ness, um dort zu zelten und zu angeln. Dabei weiß doch jedes Kind, dass in dem See ein riesiges Ungeheuer lebt! Dem kommt Finn sicher gerade recht als leckerer Happen für zwischendurch. Für Mäc Mief steht fest, er muss Finn beschützen! Und dafür nimmt er es mit allem und jedem auf – sogar mit der echten Nessie …

Cover:

Das Cover wirkt spannend und abenteuerlich. Man sieht einen Jungen mit einem Hund und einem Schaf auf einem Steg im Wasser angeln. Dahinter sieht man ein langes, schlangen-/drachenmäßiges freundliches Ungeheuer, dass auf diese drei von hinten schaut und sie beobachtet, doch diese drei, das Monster hinter ihnen nicht bemerken. Die Farbgebung und die Illustration ist sehr schön gewählt und sehr passend.

Meinung:

Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig. Die Schriftgröße it gut gewählt, daher eignet es sich sehr gut zum vorlesen, aber auch zum selbst lesen. Die Kapitel werden durch sehr tolle und passende Überschriften eingeleitet. Die Kapitellänge ist angemessen und macht sich sehr gut zum lesen.

Sehr gut hat uns auch die Vorstellung der Charaktere durch Bilder am Anfang des Buches gefallen, so hat man auch, wenn man die reihe noch nicht kennt, einen schnellen Überblick und kann die Charaktere so besser zuordnen.

Man kommt sehr leicht und gut in die Geschichte hinein. Sie wird spannend und lustig erzählt, so dass man mehrfach herzhaft lachen muss, aber auch durch aus gefesselt am Buch hängt und unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

MäcMief erfährt von seinem Lieblingsmenschen Finn, dass sie einen Kurzurlaub am See machen werden, doch ist MäcMief davon gar nicht so begeistert, da es dort die Geschichte von dem Ungeheuer Nessie gibt. Die Geschichte entwickelt sich zu einem spannenden und tierischen Detektiv-Fall. Zu viel möchte ich aber an dieser Stelle nicht verraten, da man diesen spannenden Fall selbst lesen sollte.

Die Charaktere sind allesamt sehr schön beschrieben und bringen so einige Lacher mit sich. Man schließt die Charaktere gleich in sein Herz und erlebt mit diesen die spannenden Abenteuer mit.

Die Geschichte und die Handlungen werden sehr gut beschrieben, so dass man sich alles sehr gut vorstellen kann. Neben Spannung uns Action, sorgen aber auch die Charaktere und Dialoge für so einige Lacher und auch mutige Helden gibt es in der Geschichte, so kommt es zu einem wunderschönen, unvorhersehbaren Ende, was mir sehr gut gefallen hat.

Auch sehr gut haben uns die Illustrationen gefallen. Diese sind wunderschön und passend zur Geschichte. Sie veranschaulichen nochmal das Gelesene und so kann man sich einiges noch besser vorstellen. Weiterhin lockernd die Bilder das Buch auf und sorgen auch für einige Lacher. Tolle Illustrationen, die mir sehr viel Spaß gemacht haben.

Dies ist eins für mehreren MäcMief Abenteuern und man bekommt richtig Lust weitere Abenteuer dieser Reihe zu lesen. Da die Geschichten in sich geschlossen sind, kann man die Reihenfolge durchaus variieren.

Fazit:

Ein spannendes Abenteuer mit einem tierischen Detektiv-Fall mit MäcMief und seinen Freunden.
Mutter vermisst! 16. November 2019
Lizzy Kingham "lupft's" den Hut - schon seit einiger Zeit fühlt sie sich ausgelaugt, und vor allem nicht wertgeschätzt für die Arbeit, die sie tagtäglich für ihre Familie erledigt, ohne jemals einen Dank dafür zu bekommen und als Selbstverständlichkeit angesehen wird. Sie hat das Gefühl, es ist egal ob sie da ist oder nicht. Es merkt eh niemand.

Als einige Tage vor Weihnachten gleich mehrere Dinge gleichzeitig passieren, hat sie endgültig genug. Lizzy hinterlässt ihrer Familie einen Zettel und fährt zur Strandhütte ihrer Freundin Caroline, um einige Tage alleine zu sein und einmal nur für sich selbst zu schauen. Doch es kommt anders.

Veronica Henry beschreibt feinfühlig das Dilemma von Lizzy. Aber auch wie Lizzys Familie reagiert, als sie merken, dass sie weg ist. Die Autorin erzählt überdies von Harley, einem jungen Mann, der vom Freund seiner Mutter Leanne ständig provoziert wird und es nicht mehr aushält. Um seinem kleinen Bruder das Weihnachtsfest nicht zu versauen, will Harley über Weihnachten einige Tage für sich sein. Ebenfalls nicht mit der Familie feiern wollen Jack und sein kleiner Sohn Nat, die ihr erstes Weihnachtsfest ohne Frau und Mutter vor sich haben.

Sie alle werden ein spezielles Weihnachtsfest feiern - sie wissen es bloss noch nicht. Die Autorin webt alle ihre Erzählstränge zu einem grossen Ganzen zusammen. Natürlich steckt noch viel mehr in den Geschichten der einzelnen Charaktere. Leser der bisherigen Romane der Autorin wissen, dass jede einzelne Figur im Roman ihre eigene Geschichte hat, die nach und nach ans Licht kommt.

Das Buch ist viel zu schnell ausgelesen. Ich hab es während einer fünfstündigen Bahnfahrt gelesen, die Geschichte nimmt einen total gefangen.

Das Buch ist wie eine Umarmung (und vieles mehr) für alle Frauen, die tagtäglich den Haushalt schmeissen, den täglichen Familienalltag bewältigen, dem Mann den Rücken freihalten, für die Kinder da sind, sich um Verwandte kümmern - kurz: einfach alles tun, damit es allen anderen gut geht und sich nicht um Alltägliches sorgen müssen.

Viele Frauen werden sich in "Weihnachten in dem kleinen Haus am Meer" auf irgendeine Art wieder finden. Theoretisch müssten diesen Roman alle anderen lesen, um zu merken, wer was für sie macht. Nicht nur Mütter können Lizzies Gefühle nachvollziehen.

Trotz der vielen Problematiken - vieles mehr als bloss "gestresste Mütter" ist Thema - ist der Roman sehr weihnachtlich, und ich kann nur empfehlen ihn vor den stressigen Weihnachtstagen in Ruhe zu lesen. Vielleicht nehmen dann auch die Perfektionisten unter uns die Festtage leichter.

Fazit: Ein wundervoller Weihnachtsroman, der vielen Frauen aus der Seele spricht.
5 Punkte.

"Christmas at the Beach Hut" wie der Roman im Original heisst, ist der dritte Band der dreiteiligen "Beach Hut"-Serie von Veronica Henry. Anscheinend ist jeder in sich abgeschlossen, so dass es keine Rolle spielt, dass nur dieser Band bisher auf Deutsch übersetzt wurde.

Feuersee
von Thilo Scheurer
Ein paar Knochen zu viel 16. November 2019
In diesem dritten Fall für die Abteilung „Tote ohne Mörder“, kurz T.O.M. genannt, bekommen es Marga Kronthaler, Sebastian Franck und Franziska Hegel mit einem verzwickten Fall zu tun.

Zunächst sieht alles recht einfach aus: spielende Kinder haben in einem Wald nahe Rottweil Überreste eines Skeletts gefunden. Doch bei näherer Betrachtung, gibt es ein paar Knochen und eine Knieprothese zu viel. Das Implantat, mit einer Seriennummer versehen, führt zum Mordfall Gerber, der eigentlich vor 10 Jahren als geklärt bezeichnet worden ist, aber dennoch in den Aktenschränken von T.O.M. gelandet ist. Ein Widerspruch? Oder nur ein Kunstkniff der Bürokraten für die Statistik?

Während der pedantische Sebastian und die unkonventionelle Franziska den Fall Gerber wieder aufrollen und nach der mutmaßlichen, aber nie gefassten, Mörderin suchen, beschäftigt sich Marga nach wie vor heimlich mit dem bislang ungeklärten Banküberfall, bei dem Sebastians Bruder getötet worden ist.

Meine Meinung:

Die fesselnde Ausgangslage für die höchst unterschiedlichen, aber kompetenten Ermittler, lässt die Leser bis zur letzten Seite mitfiebern.

Die Charaktere sind wie schon in den vorherigen Fällen gut gezeichnet. Der pedantische, oftmals rechthaberisch wirkende, Sebastian hat sich weiter entwickelt. So schafft er es, seine Umgebung nicht jedes Mal zu korrigieren oder kluge Zitate zu verwenden, sondern nur jedes dritte oder vierte Mal. Sebastian hat einige Züge an sich, die ein wenig an das Asperger-Syndrom erinnern. Ganz das Gegenteil ist Franziska Hegel, die Kriminalassistentin: sie wirkt auf den ersten Blick schlampig, ist aber dennoch eine gewissenhafte Mitarbeiterin.
Und ja, die Chefin, Marga Kronthaler, die nach wie vor unbeirrt eine Zigarette nach der anderen raucht, und auf Grund ihrer langjährigen Dienstzeit Verbindungen zu allen möglichen Dienststellen hat. Marga tritt häufig harsch auf und ist dennoch so etwas wie die „Mutter der Kompanie“. Es scheint, als hätte sie in ihrem Leben schon allerlei (seelische) Verletzungen erlitten, die sie hinter ihrer rauen Schale verbirgt.

Wie üblich gibt es ein Kompetenzgerangel zwischen den unterschiedlichen Dienststellen. So sind hier nicht nur die Kollegen aus Rottweil und die Mitglieder des T.O.M. am Werk, sondern auch das LKA und der Verfassungsschutz, weil einer der Verdächtigen zu der Gruppe der Reichsbürger zählt. Doch die Begegnungen dieser Dienststellen ist eher von Wertschätzung als von bösartigem Konkurrenzkampf geprägt.

Fazit:

Wer einen fesselnden Krimi ohne großes Blutvergießen lesen möchte, ist hier richtig. Gerne gebe ich dem Team von T.O.M. für ihre oft mühselige Arbeit 5 Sterne.

Soko Sandbank
von Markus Rahaus
5 Tote und ein Virus 16. November 2019
Dieser Krimi ist der zweite Fall für das Ermittler-Duo Olofsen und Greiner. Innerhalb weniger Tage werden jeweils zwei Ehe-Paare auf ihren Yachten, die auf einer Sandbank nahe Cuxhaven aufgelaufen sind, ermordet aufgefunden. Ein fünfter Toter scheint dann die Kriminalisten auf die rechte Spur zu führen, denn es steht nun fest, dass die Toten mehr gemeinsam hatten als nur den Liegeplatz in einem Yachtclub.

Gleichzeitig setzt ein Magen-Darm-Virus einige Mitarbeiter des Ermittlungsteams außer Gefecht. Es dauert eine geraume Weile bis klar ist, wo und wie sich die Polizisten angesteckt haben.

Dann fällt das letzte Puzzleteilchen an den richtigen Platz und der Täter ist ausgemacht. Doch kann man ihn noch vor einem neuen Verbrechen dingfest machen?

Meine Meinung:

Für mich ist dies der erste Krimi rund um Olofsen und Greiner. Auch wenn es heißt, den Vorgänger nicht zu benötigen, fehlt mir doch ein wenig der Hintergrund zu den beiden KHK. Olofsen scheint zwar dem Namen nach ein Nordlicht zu sein, aber kein Hanseate. Ich habe ja den Verdacht, dass er „strafversetzt“ worden ist, weil er durch seine eher ruppige Art jemandem auf die Zehen getreten ist. Dass er allerdings nichts von Schiffen versteht, mutet seltsam an. Aber, vielleicht ist das ebenso ein Klischee, wie dass alle Tiroler Schifahren können und die Schweizer jodeln.

Gut hat mir gefallen, dass hier die Ermittler und ihr Trupp ziemlich menschlich gezeigt werden. So liegen die Nerven blank, weil das ohnehin nicht üppige Personal durch den Virus weiter ausgedünnt wird. Dass hier das eine oder andere unbedachte Wort fällt, ist durchaus authentisch. Dass sich der Kriminaltechniker Pall für eine ungehörige Wortwahl bei Olofsen entschuldigt, zeigt von Größe und guter Kinderstube.

Aufgefallen ist mir, dass die beiden Ehefrauen, der Ermordeten, die ja auch getötet worden sind, dem Autor weder bei den Ermittlungen noch bei der Obduktion ein weiteres Wort wert gewesen sind.

Die nautischen Begriffe und die Arbeitsweise der Seenotretter finde ich sehr interessant. Das erfährt man ja als Landratte (so wie ich) nur wenig.
Dass Olofsen sich während der wenigen Tage vier Paar Schuhe ruiniert hat, sollte wohl humorvoll sein. Spätestens nach dem zweiten Mal hätte er taugliches Schuhwerk im Auto haben sollen. Nun, man könnte zu seiner Entschuldigung die Hektik auf Grund der vielen Erkrankungen und des Schlafmangels anführen. So ganz tough ist es meiner Ansicht nicht.

Fazit:

Da ich hier keine halben Sterne vergeben kann, runde ich auf vier auf, weil ich mich doch ganz gut unterhalten gefühlt habe und ich die Nord- und Ostsee mit ihren wortkargen Typen mag.

Verhängnisvolle Provence
von Sandra Åslund
Cui bono? 16. November 2019
Hannah Richter, KHK in Köln mit Auslandserfahrung in der Provence, verbringt mit ihrem Lebensgefährten Serge ein paar Urlaubstage Paris. Der Urlaub wird durch einen Telefonanruf jäh unterbrochen: In ihrer Heimatstadt Köln, wird Yannick Ramon, der aus der Provence stammt, ermordet. Eine heikle Angelegenheit, so ein Grenzen überschreitender Fall, findet ihr Vorgesetzter.

So wird Hannah in die Provence beordert. Gleichzeitig ermittelt ihr Kollege Michael Kleinschmidt in Köln.

In Vaison-la-Romaine angekommen, gibt es einmal ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus den früheren Fällen, Ermittlern wie Freunde. Hannah überprüft die Arbeitskollegen des Ermordeten und entdeckt, dass in der Manufaktur für hochwertige Biokosmetik nicht alles so naturbelassen ist, wie vorgegeben.
Kurz vor der Präsentation der neuen Kosmetiklinie, sterben zwei weitere Personen.

Drei Tote, die alle mit der Kosmetikfirma zu tun haben? Was ist hier faul?

Meine Meinung:

Der Krimi ist, wie die anderen, flüssig geschrieben. Die Landschaft, die Kulinarik und das „Savoir Vivre“ sind unaufgeregt eingebunden. Obwohl, diesmal waren die persönlichen Belange der Protagonisten um einen Hauch zu viel.

Gut gefallen hat mir, dass Ricard Point, der französische Ermittler eine persönliche Weiterentwicklung gemacht hat, und nicht mehr als Ekelpaket wie im letzten Fall agiert.

Interessant ist der Cliffhanger am Ende, ob Hannah ihren Dienst in Deutschland quittiert und in die Provence zieht. Point hat ihr ja das Angebot gemacht, seine Stellvertreterin zu werden. Hier stellt sich mir die Frage, ob ein Wechsel von einer Polizeidienststelle eines Landes in die eines anderen so einfach geht? Eu hin oder her.

Die Auflösung geht dann beinahe unter und Ermittler wie Leser müssen manchmal mit dem Wissen leben, dass sich manche Fälle ein wenig anders gestalten, als gedacht.

Im Anhang gibt es ein ausführliches Glossar der verwendeten französischen Ausdrücke, eine Play-List und die wichtigsten Begriffe aus der Chemie der Kosmetikprodukte (INCI-Liste) sowie das Rezept
eines garantiert biologischen Zahnputz-Pulvers.

Fazit:

Wer einen Krimi mit provencalischem Flair und sympathischen Ermittlern lesen möchte, ist hier richtig. Gerne gebe 5 Sterne.

Der Lehrmeister
von Oliver Pötzsch
Faustus 16. November 2019
von RE
Auch wenn es nun schon ungefähr ein Jahr her ist, dass ich den ersten Teil gelesen habe, so habe ich die Fortsetzung mit großer Spannung erwartet und bin nicht enttäuscht worden. Ich war schnell wieder in der Handlung und auch hier überzeugt Oliver Pötzsch sowohl mit seinem unterhaltenden Schreibstil als auch mit seiner historischen Expertise. Das Nachwort sowie das Kapitel "Faust für Besserwisser", in dem die Zitate dem jeweiligen Teil von Goethes Faust zugeordnet werden, haben mir sehr gefallen. So kann man als Leser einen besseren Eindruck erhalten, was Fiktion und was auf historischen Tatsachen beruht. Der Autor lässt vor den Augen seines Lesers in lebendiger Art und Weise das Leben zu Beginn der Frühen Neuzeit erstehen und in dieses "eintauchen". Auch hier habe ich Dr. Faustus gerne begleitet.

Winteraustern
von Alexander Oetker
Mord in der Austernbucht 16. November 2019
von RE
Luc Verlain wurde kurzfristig nach Paris zurückbeordert (und der Autor Alexander Oetker hat hiermit sehr geschickt die Anschläge in Paris eingebunden und die veränderte Atmosphäre in Frankreich im Anschluss daran), aber kehrt nun glücklich wieder nach Bordeaux zurück, zu seiner Freundin Anouk und dem doch etwas ruhigeren Leben im Vergleich zur Hauptstadt. Um seinem schwer erkrankten Vater, einem ehemaligen Austernfischer, eine Freude zu machen, fahren sie gemeinsam mit einem Schiff der Gendarmerie los, um den Sonnenaufgang über dem Atlantik zu erleben. Im Dezember ist es sehr kalt, doch das scheint Lucs Vater nicht zu stören. Die Fahrt hätte schön sein können, doch dann kommt es zu einem unschönen Leichenfund. Wer hat die beiden jungen Austernfischer wohl getötet? Welches Motiv steckte dahinter?

Wie auch in den vorherigen Bänden beweist Alexander Oetker seine profunde Frankreichkenntnisse. Und gerade bei den kulinarischen Exkursen lief mir immer wieder das Wasser im Mund zusammen. Ein gelungener Krimi mit viel Frankreichflair. Wie mag es nun mit Luc weitergehen? Ein spannendes Ende, das auf eine baldige Fortsetzung hoffen lässt.


Mittlerweile habe ich schon so einige Bücher hören dürfen, die von Frank Arnold gelesen wurden, ich mag seine Stimme und wie er die Bücher vorträgt, sehr.
Charité 16. November 2019
Mir gefiel schon der erste Teil über Deutschlands wohl berühmtestes Krankenhaus, die Charité in Berlin. Und somit war ich sehr gespannt auf diese Fortsetzung. Mit neuen Protagonistinnen - die junge, jüdische Ärztin Rahel Hirsch und Barbara, die beginnt als eine der Wäscherinnen in der Wäscherei der Charité zu arbeiten. Trotz aller Unterschiede, über Standesgrenzen hinweg, freunden sich die beiden an und so kann die Autorin ihren Leserinnen und Lesern Einblicke aus zwei unterschiedlichen Schichten und unterschiedlichen Arbeitsbereichen der Charité geben. Wobei bei Barbara die Arbeit eher im Hintergrund steht; hier ist der Kampf um die Frauenrechte wichtiger und die Sicht der Dinge aus der Arbeiterschicht. Währenddessen hat Rahel als erste Ärztin ganz andere Probleme. Ulrike Schweikerts mitreißender Schreibstil macht das Buch zu einem Erlebnis. Geschickt sind immer wieder kleine Geschichtskapitel eingeflochten vom Beginn des 20. Jahrhunderts sowie am Ende über den Ersten Weltkrieg und seine Bedeutung für die Weiterentwicklung der Medizin, aber auch die persönliche Verstrickung der handelnden Personen.

Drei
von Dror Mishani
Erst belogen, dann ermordet 16. November 2019
Drei Frauen in Israel fühlen sich nacheinander zum liebenswerten, einfühlsamen Rechtsanwalt Gil hingezogen: Orna, alleinerziehend, leidet unter der Trennung von ihrem Mann, der längst anderweitig liiert ist. Da versucht sie, per Onlineplattform ihrer Einsamkeit zu entfliehen. Die Lettin Emilia hat mit Hingabe Gils Vater gepflegt, fühlt sich nach dessen Tod verloren im fremden Land und hätte ein Zusatzeinkommen bitter nötig, beispielsweise als Putzkraft für seinen Sohn. Und da ist noch Ella, ausgepowerte Mutter von drei Kindern. Sie lernt Gil in einem Café kennen, wenn auch mit anderen Absichten. Alle drei führt er in eine kleine Mietwohnung, zwei von ihnen tötet er und kann lange Zeit unentdeckt bleiben.
Warum Gil die Frauen ermordet, hat sich mir nie erschlossen. Ihr Tod hat ihm keinen Nutzen gebracht, ausser den, dass seine Frau von seinen Seitensprüngen erfahren könnte. War es die Freude am Schwindeln, dass er die Frauen derart in seine Lügengeschichten eingesponnen und damit erobert hat? Irgendwie nicht ganz logisch.
Der Roman hat pro Frau einen eigenen Abschnitt, wobei das letzte Drittel stilistisch etwas anders ausgefallen ist. Die Besonderheit besteht darin, dass teilweise die Form der Zukunft für diesen Teil des Textes verwendet wurde, was aber auf mich etwas unbeholfen und keineswegs flüssig wirkte. Darin habe ich mich nicht so gut zurechtgefunden und das Konzept nicht gleich durchschaut. Gegen Ende erfährt man den Grund dafür dann schon, aber bis dahin hat es bei mir keinen grossen Anklang gefunden.
Einen besonderen Vorzug habe ich im Text nicht gefunden, wenngleich der Roman durchaus Spannung und Tempo aufweist und in einer schönen Sprache übersetzt ist. Es ist Dror Mishani auch zweifellos gelungen, die Psyche der Frauen und Gils Manipulationen glaubhaft darzustellen. Gil selbst bleibt aber weitgehend ein nebulöser Charakter. Das ist schade, denn der Leser will wissen, welches die wahren Gründe für die Morde sind. Vielleicht erschliesst sich uns das in der angekündigten Verfilmung. Ich hoffe es.
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | ... | 1500 | 1501 | 1502 | 1503 | 1504 | 1505 | 1506 | 1507 | >> 

facultas-Newsletter

Aktuelle Neuerscheinungen, Empfehlungen, Angebote und Aktionen