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Rezensionen




Dame Edith 29. September 2019
Die Dichterin Edith Sitwell war ihrer Zeit voraus. Vielleicht wurde sie deshalb von ihren Zeitgenossen teils belächelt, teils abgelehnt. Ihre Bedeutung als Lyrikerin wurde spät erkannt, als Exzentrikerin hat sie zusammen mit ihren Brüdern, schon bald Ruhm erlangt. Edith, groß gewachsen und mit ausgeprägten, herben Gesichtszügen hatte keine schöne Kindheit. Vom Vater in eine Art Eisenkorsett gezwungen, sollte so ihr Wachstum gestoppt und ihre Nase begradigt werden. Der Heiratsmarkt war gnadenlos.
Veronika Peters erzählt die Geschichte dieser außergewöhnlichen Frau mit einem Kunstgriff. Sie lässt mit Jane Bannister, die Dienerin und langjährige Vertraute zu Wort kommen und ihre Erinnerungen an Edith und ihre Künstlerfreunde lebendig werden.
Ich kenne einige Biografien dieser sperrigen Künstlerin, aber der Roman, der sich Freiheiten in Atmosphäre und Motiven nehmen kann, hat mir eine neue Perspektive eröffnet. Veronika Peters hält sich dabei dicht an die Ereignisse der Epoche, an Begebenheiten, die aus Briefen und Tagebüchern bekannt sind, haucht ihnen aber ein besonders bildhaftes Leben ein.
Durch die Kunstfigur der Jane Bannister eröffnet sich ein ganz besonderer Blick. Das England in den 20iger bis 40iger Jahre des letzten Jahrhunderts war noch fest im Standesdenken verwurzelt, wenn es auch schon langsam brüchig zu werden begann. Der Adel genoss seine besonderen Privilegien und auch wenn Jane zur lebenslangen Freundin von Edith werden sollte, blieb sie doch immer Dienerin, die ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen hatte. Das hätte am wenigsten Jane in Frage gestellt, hat doch schon ihr Großvater und ihre Mutter lebenslang der Familie gedient. Dieses Zeitbild als Hintergrund wurde farbig gezeichnet hat mir sehr gut gefallen.
Was der Titel verspricht hat die Autorin wahr gemacht. Ein Blick auf die Frau, die sich immer hinter dem Vorhang der Exzentrik verborgen hat und deren Denken und Fühlen lebendig wurde.
Ein Ausschnitt aus einem ungewöhnlichen Leben 26. September 2019
von Ina
Als erstes ein ganz großes Lob an den Verlag, der sich mit der Gestaltung und der Ausstattung des Buches viel Mühe gegeben hat. Für viele Leser*innen ist das vielleicht nicht wichtig und hat nicht mit einer Rezension zu tun, aber für mich sind Bücher Gesamtkunstwerke und dazu zählt eben auch das Cover und die Haptik eines Buches. Dieses Buch fasst sich jedenfalls gut an, es hat einen schönen Leinenrücken, ein Lesebändchen und auch die Innenseiten des Buchumschlages sind schön gestaltet. Das Cover ist einerseits schlicht und trotzdem ausdrucksstark.
Das Cover passt auch sehr gut zur Protagonistin, die auch gerne auffällt. Ich muss zugeben, ich kannte die Edith Sitwell bevor ich das Buch gelesen hatte nicht. Aber jetzt nach dem Lesen habe ich richtig Lust bekommen mehr von dieser außergewöhnlichen Frau und über sie zu lesen. Aber nun zu diesem Buch. Es ist keine gewöhnliche Biografie. Edith Sitwell wird eigentlich nur durch die Augen ihrer Assistentin Jane beschrieben. Dabei ist es zeitlich nicht kontinuierlich, sondern springt etwas in der Zeit. Die Kinder und Jugendzeit von Edith, wird dann aus der Sicht von Emma beschrieben, der Mutter von Jane. Ich muss zugeben, mich haben die Zeitsprünge und auch das Ediths Leben von zwei verschiedenen Personen beschrieben wurde, etwas verwirrt. Des Weiteren bleiben Jane und ihre Mutter Angestellte von Edith, auch wenn sie sie durch schwere Zeiten begleitet haben, fehlte mir oft ein wirklich privater Einblick in Ediths Gefühlswelt. Es ist und bleibt ein Blick von außen für mich.
Das beschriebene Leben von Edith ist wirklich interessant, man trifft auch immer wieder auf sehr bekannte Persönlichkeiten, die mit Edith verbandelt sind. Auch die gesellschaftliche Entwicklung wird am Rande ganz gut beschrieben. Dennoch empfand ich die Geschichte nicht als rund. Edith blieb mir eigentlich bis zum Ende fremd, ihr Verhalten, ihr unberechenbarer Charakter. Schade, denn Edith ist eine wirklich spannende Persönlichkeit. Da mir einfach das Hintergrundwissen zu Edith und auch ihren Künstlerkreisen fehlt, empfand ich die Geschichte als sehr bruchstückhaft mit zu wenig Erklärungen. Es bleibt eine Geschichte einer Angestellten, die einfach auch keinen Zugang zu allen Bereichen von Ediths Leben hat. Aber auch Jane blieb mir fremd, denn sie möchte extra nicht viel zu sich erzählen, da es eine Geschichte über Edith sein soll.
Dennoch habe ich das Buch gerne gelesen. Es ist gut lesbar geschrieben, es hat auch seine Spannungsbögen und insgesamt hat es mich neugierig auf Edith gemacht, so dass ich mehr über sie erfahren will.
Dame Edith 22. September 2019
von RE
In diesem Buch hat sich die Autorin mit dem Leben der Dame Edith Louisa Sitwell beschäftigt, die von 1887 bis 1964 gelebt hat. Die Autorin wurde zu Lebzeiten zur Dame Commander "geschlagen" und somit noch stärker geadelt, als sie von Geburt aus war. Erzählt wird ihre Geschichte aus der Sicht eines fiktiven Hausmädchens namens Jane Bannister, das nah am Geschehen dran war und somit entsteht beim Leser das Gefühl, auch am Leben der Dame teilnehmen zu können. Allerdings hatte ich bei der Lektüre das Gefühl, dass der rote Faden oftmals verloren ging und immer wieder neu geknüpft wurde, es wurde oft wieder ein Neustart gemacht und dann eine andere Begebenheit oder ein Treffen mit einer bekannten Persönlichkeit geschildert. Mir war der Stil jedoch zu distanziert und für eine Biographie war es dann zu romanhaft.
Aus dem Leben einer interessanten Frau 20. September 2019
Jane Banister ist gerade mal 18 Jahre alt, da verlässt sie Gut Renishaw, den Landsitz der Familie Sitwell in Yorkshire. In London tritt sie die Stelle als Dienstmädchen bei der von ihrer Familie ungeliebten exzentrischen Dichterin und Schriftstellerin Edith Louisa Sitwell an. Mit den Jahren entspinnt sich zwischen den beiden so ungleichen Frauen eine Freundschaft und eine für Dienstbotin und Herrschaft ungewöhnliche Vertrautheit. Durch Edith lernt Jane die Metropolen dieser Welt und zahlreiche Persönlichkeiten kennen. Aber sie blickt auch hinter den Vorhang und wird Zeugin von Armut, Alkoholismus, nicht erwiderte Liebe zu einem russischen Künstler, Krankheit und Verfall der Frau, der sie so viel zu verdanken hat.


Ich lerne Edith Sitwell aus der Sicht ihrer Vertrauten Jane Banister kennen, die 37 Jahre in ihrem Dienst stand und zu einer der ganz wenigen Freunde wurde. Die Geschichte beginnt 1964 kurz vor Edith´ Tod und durch Rückblenden erfahre ich Vieles aus dem Leben der exzentrischen Künstlerin. Sie, die von Geburt an von ihren Eltern ungeliebt war, sie, die nicht dem damaligen Schönheitsideal entsprach, die in eine körperformende Apparatur gezwängt wurde, deren Schmerzen sie noch viele Jahre spürte, die sich von ihrem Elternhaus entfernte und außerhalb dieser elitären Welt ihren ganz eigenen meist nicht einfachen Weg ging.

Ich kannte Edith Sitwell bisher noch nicht. Das Buch hat mich dazu angestachelt, mich etwas intensiver mit dieser Frau und ihrem Werdegang zu beschäftigen.

Ich genieße es durch die Augen von Jane Banister das Leben dieser Frau mit verfolgen zu können. Allerdings die meiste Zeit nur hinter dem Vorhang. Mir hätte es noch besser gefallen, wenn ich auch vor dem Vorhang öfters mit dabei gewesen wäre.

Trotzdem: Ein absolut lesenswertes Buch über eine sehr interessante Frau und ihr exzentrisches Leben, das hinter dem Vorhang meist ganz anders aussah.
Hat mich leider nicht vollends überzeugt 19. September 2019
In diesem toll aufgemachten Buch stellt uns Autorin Veronika Peters Teile des Lebens der englischen Lyrikerin Edith Sitwell vor. Allerdings nicht als Biografie sondern als Betrachtung durch die Augen des fiktiven Dienstmädchen Jane und deren Mutter Emma.

Die kleine Edith ist das erste Kind ihrer Eltern und leider nicht so hübsch und stupsnäsig wie erhofft. So wird das bedauernswerte Geschöpf in ein Streckkorsett, um die verbogene Wirbelsäule gerade zu biegen. Lediglich Emma, die Tochter des Gärtners besucht sie. Anfangs heimlich, dann als Dienstmädchen. An Ediths 21. Geburtstag ereignet sich ein Vorfall, der für Emma und knapp 15 Jahre später auch für Edith weitreichende Folgen haben wird.

Meine Meinung:

Die Idee die unkonventionelle Dichterin aus Sicht zweier Dienstmädchen betrachten zu lassen, die noch dazu, wenn die beiden Mutter und Tochter sind, finde ich toll und ungewöhnlich. Die Betrachtungen sind in eine Rahmenhandlung eingebettet, die u.a. 1964 kurz vor Edith Sitwells Tod spielen. Diese Rahmenhandlung ist für mich so optimal gelungen. Sie hat wenig Handlung, sondern ergibt sich in detailreichen Schilderungen von Sitwells aufwendiger Garderobe oder Schmuckstücken. Da wäre, um sich ein besseres Bild der Schriftstellerin zu machen, ein Foto echt klasse gewesen. Die Bilder, die im Internet zu finden sind, zeigen ein wahrhaft exzentrisch aussehende Frau, die mit ihren Turbanen, die ohnehin schon nicht kleine Nase noch extra hervorstechen lässt.
Auch ihr Lebensstil ist aufwendig und unkonventionell. Manchmal haust sie mit ihrer ehemaligen Gouvernante und dem nunmehrigen Dienstmädchen Jane, in muffigen, engen Wohnungen. Doch dann hat sie wieder eine Geldquelle aufgetan und die Wohnsituation bessert sich. Sie reist nach Frankreich, lebt in Paris.
Auch hier werden einige nebensächliche Detail geradezu ausgewalzt (die Liebe zu den verschiedenen Katzen, zum Beispiel). Andererseits werden ganze Lebensabschnitte nicht, oder nur am Rande erwähnt.

Die Kindheit Ediths ist viel farbenfroher, viel lebendiger geschildert. Vor allem die Wahrnehmungen aus Sicht der Dienstboten lässt das Leben auf den Cottage plastisch erscheinen. Ich hätte mir gewünscht, mehr aus Ediths Leben in dieser Form erzählt zu bekommen. So erfahre ich wenig bis nichts und das was ich erfahre, wirkt irgendwie belanglos, fast schon depressiv. Das Leben der drei Frauen Helen, Jane und Edith plätschert irgendwie so dahin. Wäre das nicht der Maler, in den Edith verliebt ist, so müsste man fast daran denken, dass Helen und Edith eine Liaison miteinander haben. Viele Frage in Ediths Leben bleiben unbeantwortet. Das finde ich sehr schade.

Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich gut lesen. Allerdings wirken manche Passagen recht distanziert. Ob das daran liegt, dass die meisten Beobachtungen von dem Dienstmädchen gemacht werden? Vieles erfahren wir durch dritte. Eine direkte Interaktion findet oft nicht statt.

Folgendes Zitat beschreibt Edith Sitwell mit zwei Sätzen:

"Sie kämpfte wie eine Löwin. Meistens gegen sich selbst. Aber auch darin war sie auf erschreckende Weise großartig."

Fazit:

Ein interessanter Einblick in das Leben der englischen Dichterin Edith Sitwell, der mich trotzdem nicht wirklich begeistern konnte. Deshalb kann ich nur 3 Sterne vergeben.
Scharfzüngige Literatin 15. September 2019
In ihrem Roman gewährt Veronika Peters Einblicke in das Leben der englischen Exzentrikerin und Literatin Edith Sitwell. Edith wird Ende des 19. Jahrhundert in einem adligen Haus geboren, entspricht jedoch weder äußrlich noch charakterlich den Konventionen ihrer Zeit. Ihren Eltern, die ihre Brüder bevorzugen, bleibt sie ihr Leben lang nicht nur fremd, sondern muss auch erdulden, als Jugendliche in eine Art eisernen Rahmen gespannt zu werden, um ihr mehr körperliche Vorzüge zu verleihen. Edith bleibt dennoch ihr Leben lang unverheiratet und teilt ihr Leben mit Bediensteten und berühmten Künstlern. Zwei dieser Angestellten sind Emma und ihre Tochter Jane, aus deren Perspektive wir Edith unkonventionelles Leben geschildert bekommen.

Der Roman hat mich stets gefesselt. Obwohl ich nun viel mehr über Edith Sitwells Leben weiß als vorher, muss ich doch sagen, dass mir sowohl Edith als auch die beiden Ich-Erzählerinnen Emma und Jane ein wenig fremd geblieben sind. Durch den Blick der beiden Bediensteten bleibt Edith trotz aller Nähe die Kunstfigur, als die sie sich selbst stets inszenierte. Emma verschwindet, nachdem sie ihr Leben an Edith Seite ihrer Tochter abgetreten hat, mit wenigen Ausnahmen fast spurlos aus der Erzählung. Warum Jane, die als außergewöhnlich schön beschrieben wird und sowohl warmherzig als auch pfiffig wirkt, sich dafür entscheidet, ihr Leben lang lediglich Edith Vertraute und Beobachterin zu bleiben, hat sich mir nicht erschlossen. Auch das zu Beginn aufgeworfene Rätsel um Janes Geburt wird am Schluss seltsam blass aufgelöst.
Dennoch ein lesenswerter Roman für alle, die mehr über Edith Sitwell erfahren wollen, dazu noch mit edler Ausstattung.

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