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Wissenschaftliches Lesen  – ein Survival Guide

 

 

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Da sitzt du also—gestrandet auf einer Insel aus halb verdauter Literatur und nirgendwo die Antwort auf deine Forschungsfragen in Sicht. Du dachtest, du wüsstest, wie man ein Buch liest. Du glaubtest, mit ein paar Quellen in der Hand würde sich der Rest schon von selbst ergeben. Die Wahrheit ist aber: Auch wissenschaftliches Lesen will gelernt sein und erfordert einiges an Übung. Wie finde ich mich in einem Gewirr aus Texten zurecht? Wie erkenne ich das, was relevant für mich ist? Manche kämpfen zeit ihres Studienlebens mit diesen Fragen. In diesem Blog-Beitrag zeigen wir dir essentielle Überlebenstechniken für den Recherche-Archipel. Denn schön und sexy ist das Inselleben ja doch nur in der Hollywood-Version.

 

1. Aussortieren und Panik vermeiden

Die Grundregel lautet: Ruhe bewahren! Die Menge an verfügbarer Literatur ist auf den ersten Blick vielleicht überwältigend, niemand erwartet aber von dir, dass du alles liest, was zu deinem Thema geschrieben wurde. Der Trick besteht darin, sich einen Überblick von der Literatur zu machen und dann eine Auswahl zu treffen. Lies dir die Inhaltsverzeichnisse (bei Papers: die Abstracts) von interessanten Quellen durch, so verschaffst du dir einen ersten Eindruck. Bei der Einschätzung, ob eine Buch für dein Projekt geeignet ist, helfen dir die folgenden Fragen:           

 

2. Relevanzprüfung

Deine Werkzeuge liegen jetzt vor dir, doch nicht jeder Laubwedel eignet sich auch fürs Feuermachen. Eine Relevanzprüfung ist angesagt! In diesem Schritt setzt du dich mit den im ersten Schritt ausgewählten Titeln inhaltlich auseinander (ohne sie eingehend zu lesen). Sieh dir noch einmal die Titel und Inhaltsverzeichnisse an und versuche dabei folgende Fragen zu beantworten:

Wenn das Werk nach dem Beantworten der Fragen noch genauso spannend oder vielleicht sogar spannender wirkt als vorher (vor allem, wenn du die letzte Frage mit Ja beantwortest), solltest du es ausführlich lesen.

 

3. Lesetechniken

Mit deiner vorsortierten Literaturliste kannst du dich jetzt dem eigentlichen Lesen widmen. Auch hier macht es Sinn, nicht einfach kopfüber loszulegen, sondern dir zunächst einen Überblick über die Textstruktur zu verschaffen. In diesem ersten kursorischen Lesen überfliegst du den Text und achtest dabei auf die Überschriften und wichtigen Stichwörter. Das hilft dir, um im nächsten Schritt, dem intensiven Lesen, den Sinn fürs Ganze zu behalten.

Beim intensiven Lesen arbeitest du den Text Absatz für Absatz durch. Neben dem Inhalt solltest du dabei auch auf Schreibstil und Aufbau achten. Es bietet sich an, wichtige Stellen zu markieren, Randnotizen zu machen oder zentrale Passagen auszugsweise aufzuschreiben. Beim Markieren gilt: Weniger ist mehr! Um nicht im neongelben Chaos zu versinken, solltest du wirklich nur Kernaussagen herausstreichen. Manche schreiben nach der Lektüre noch eine Zusammenfassung oder zeichnen eine Mind-Map. Experimentiere einfach mit verschiedenen Methoden, um herauszufinden, was dir am besten liegt!

Eine konkrete Technik, die wir dir noch ans Herz legen möchten, ist die SQ3R-Methode nach Francis P. Robinson. SQ3R gliedert den Leseprozess in fünf Schritte. Das hilft dir dabei, Inhalte besser zu verstehen und länger zu behalten. Die fünf Schritte sind:

Hier findest du ein kurzes Erklärungsvideo zur SQ3R-Methode.

 

Mit diesen Survival-Hacks bist du bestens gerüstet für die einsame Lese-Insel. Bevor du es dir dort allerdings zu bequem machst, hier noch ein Hinweis: Regelmäßiges Duschen und das Essen mit Messer und Gabel sind Kulturtechniken, die du besser nicht verlernen solltest. Die Zivilisation wird es dir danken.

 

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Quelle: vgl. Herczeg, Petra/Wippersberg, Julia: Kommunikationswissenschaftliches Arbeiten. Eine Einführung. Wien: utb, facultas 2018, S. 191-200.

 

Noch mehr Tipps und Tricks zum wissenschaftlichen Arbeiten gibt es hier:

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