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Das Recherche-ABC

 

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Hast du die Kaffeemaschine entkalkt, deinen Büchervorrat nach Farbe sortiert und die letzte Episode deiner Lieblingsserie geschaut? Dann kannst du jetzt ja mit der Recherche für deine wissenschaftliche Arbeit beginnen. Wie wir alle wissen, hält die Internetsuche schier endlose Möglichkeiten bereit ohne das richtige Knowhow ist man hier allerdings schnell überwältigt. Manchmal ist es auch gut, sich auf althergebrachte Recherche-Mittel zu besinnen. Nur: Wer oder was ist ein Handapparat? Und wo finde ich Tertiärliteratur? In diesem Beitrag erklären wir die wichtigsten Begriffe zur analogen und digitalen Recherche — natürlich alphabetisch geordnet, damit du ihn gleich spürst, den muffigen Charme der Bibliografie.

 

A    Abstract

Das Abstract steht für gewöhnlich am Beginn einer wissenschaftlichen Publikation und fasst die wesentlichen Inhalte kurz zusammen. Du bekommst einen schnellen Überblick und siehst sofort, ob die Publikation für deine Arbeit nützlich ist.

 

B    Bibliografieren

Bibliografieren bedeutet, Literatur nach bestimmten Kriterien (Metadaten) zu erfassen und in einem Verzeichnis zu sammeln. Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi, Zotero und Mendeley helfen dir beim Archivieren und Zitieren.

 

C    Copyright

Ob Textstelle, Abbildung, Tabelle, oder Foto die Herkunft der Quelle muss immer nachvollziehbar sein. Wenn du während deiner Recherche also ein Zitat notierst, vergiss nicht, auch die Fundstelle dazuzuschreiben.

 

D    Datenbanken

Hier findest du Artikel aus Fachjournalen und Zeitschriften, Konferenzberichte, Papers und andere Publikationen. Über das Internet sind die Texte oft im Volltext zugänglich.

 

E    Exzerpt

Exzerpte schreiben hilft bei der Recherche. Fasse dazu die wesentlichen Aussagen eines Textes knapp zusammen und notiere deine eigenen Gedanken dazu. Du kannst dich so in die Textinhalte vertiefen, sie besser verstehen und später einfacher darauf zurückgreifen.

 

F    Fachliteratur

Die richtigen wissenschaftlichen Quellen sind ein zentraler Faktor beim Schreiben einer Arbeit. Fachliteratur ist eine solche Quelle.

 

G    Graue Literatur

Graue Literatur ist Literatur, die außerhalb von Verlagen erschienen ist und nicht über den Buchhandel vertrieben wird. In Einzelfällen kannst du daraus zitieren. Du solltest graue Literatur jedoch nicht verwenden, um wesentliche Argumente zu untermauern.

 

H    Handapparat

Handapparate sind Literatursammlungen, die von Lehrenden zusammengestellt wurden und an Bibliotheken aufliegen. Hier findest du Literatur zu bestimmten Lehrveranstaltungen, die du für deine Arbeit nutzen kannst. Der Handapparat gibt dir außerdem einen Einblick darin, was sich in deinem Fachbereich tut und welche Inhalte in höheren Semestern auf dich zukommen werden.

 

I    Inhaltsverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis gibt dir einen ersten Überblick über den Inhalt eines Buch. Schaue es dir vorab an so erkennst du gleich, ob ein Werk für deine Arbeit nützlich ist.

 

J    Journalistische Beiträge

Behandelst du öffentlich diskutierte Themen, ist es sinnvoll, Medien direkt zu kontaktieren und deren Inhalte zu nutzen. Auch Organisationen und Institute haben oft themenspezifische Fachbibliotheken und Unterlagen.

 

K    Klassifizierung

Während der Recherche kommst du mit großen Mengen Literatur in Berührung. Klassifiziere deine Quellen nach Schlagworten oder Verwendungszweck (z.B. Theorie, Empirie oder Analyse), so behältst du den Überblick.

 

L    Literaturverzeichnis

Längere Bücher enthalten oft Literaturverzeichnisse. Darin findest du wertvolle Querverweise zu anderen Quellen. Nutze das Schneeballprinzip und arbeite dich von einer konkreten Quelle ausgehend immer weiter vor.

 

M    Metadaten

Metadaten sind Informationen über eine Quelle, etwa der Buchtitel, Autoreninfos, Erscheinungsdaten und Schlagworte. Spiel bei der Online-Suche doch einmal mit verschiedenen Metadaten herum! Du wirst merken, dass die Suche nach passenden Quellen damit erheblich einfacher wird.

 

N    No-Go

Quellenverweise und Zitate sollten nie direkt übernommen werden. Recherchiere jede Quelle (und die entsprechende Seitenzahl) immer selbst.

 

O    Operator

Bei der Literatursuche über Google Scholar sind Suchoperatoren wie Rettungsringe in einer Flut aus Treffern: Sie ermöglichen es, deine Suche zu strukturieren und einzugrenzen. Besonders hilfreich: die Operatoren „intitle:“ und „allintitle:“, mit denen du deine Suche auf Titel von Papers einschränken kannst, sowie der Operator „AROUND(x)“, der nach zwei Begriffen im Abstand von x Wörtern sucht. Eine vollständige Liste der Google-Suchoperatoren findest du hier: https://ahrefs.com/blog/google-advanced-search-operators/

 

P    Problemstellung

Versuche, das fachliche Problem kurz zu umreißen, bevor du auf die Suche nach Quellen gehst. So lassen sich Schlagworte identifizieren, die die weitere Recherche.

 

Q    Quellenkritik

Ob eine Quelle wissenschaftlich und inhaltlich relevant ist, zeigt sich unter anderem an der Zitierweise, der Argumentationsweise und dem Ursprung der Quelle.

 

R    Recherche-Tools

Suchmaschinen, Bibliothekskataloge und Fachdatenbanken sind erste Anlaufstellen für deine Recherche. Wir empfehlen die Online-Kataloge der Universitätsbibliotheken und des Österreichischen Bibliothekenverbundes sowie den Karlsruher Virtuellen Katalog.

 

S    Suchstrategie

Eine konkrete Suchstrategie vereinfacht die Recherche. Bei der rückwärtsgerichteten Suche recherchierst du Literatur, auf die ein bestimmtes Werk verweist (du gehst also quasi in der Zeit zurück, von der späteren zur früheren Quelle). Bei der vorwärtsgerichteten Suche ist es umgekehrt: Hier recherchierst du, welche Autorinnen und Autoren sich später mit der Quelle beschäftigt haben.

 

T    Tertiärliteratur

Tertiärliteratur sind Nachschlagewerke wie beispielsweise Lexika, Handbücher, Lehrbücher oder Bibliografien. Sie dienen der Orientierung innerhalb eines wissenschaftlichen Bereiches.

 

U    Urheberschaft

In deiner wissenschaftlichen Arbeit musst du dich mit viel Literatur auseinandersetzen. Ebenso wichtig ist aber dein eigener, kritischer Beitrag. Er macht dich zum Urheber deiner Arbeit — etwas, auf das du ziemlich stolz sein kannst.

 

V    Vitamin-B

Ein Buch ist wieder einmal nicht auffindbar, obwohl du überall gesucht hast. Ein Artikel lässt sich nicht normal abrufen, sondern nur über eine obskure Datenbank. In solchen Fällen brauchst du sie: die Bibliothekarin oder den Bibliothekar. Ein guter Draht zu diesen Hüterinnen des Wissens kann deine Recherche manchmal sehr erleichtern. Also: immer brav die Jacke in die Garderobe hängen! Ein kleines Kompliment hier und da kann auch nicht schaden.

 

W    Wikipedia

Wikipedia ist keine wissenschaftliche Quelle, kann aber zur Orientierung nützlich sein. Tipp: Immer auf die Originalquellen achten.

 

X    (E)xlibirs

Baue dir deine eigene kleine Bibliothek mit Fachliteratur auf. Manche Bücher werden dich dein ganzes Leben lang begleiten. Fachbuchhandlungen, wie zum Beispiel facultas ;-), können dir relevante Grundlagenwerke empfehlen. Die facultas-Standorte findest du hier.

 

Y    Youtube-Videos

Auf Youtube findest du bisweilen praktische Videos zum wissenschaftlichen Arbeiten. Ansonsten solltest du in der Recherchezeit einen großen Bogen um das Portal machen. Wie viele hat die Autoplay-Funktion nicht schon in einen Prokrastinationsstrudel befördert? Besonders hinterfotzig: Content mit kleinen Kätzchen, Hundewelpen oder geretteten Flughundebabys. Hier ist äußerste Vorsicht geboten!

 

Z    Zucker

Die Literaturrecherche kann einem schon mal über den Kopf wachsen. Wenn du damit beginnst, Müslipackungen nach Sekundärquellen zu durchforsten, und ein monströser Zettelkasten dich in deinen Träumen verfolgt, spätestens dann weißt du: Es ist Zeit für eine Auszeit. Leg dir für die Gelegenheit eine kleine Belohnung zurecht. Süßes wirkt manchmal wahre Motivationswunder.

 

 

Diese Begriffe sind natürlich alle superwichtig. Noch wichtiger ist allerdings, dass du ein packendes Thema wählst, das dich begeistert. Dann kann die Recherche sogar richtig Spaß machen. In diesem Sinne: Möge der Zettelkasten mit dir sein!

 

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Quelle: vgl. Jost, Gerhard/Richter, Lukas: Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens. Eine prozessbegleitende und reflexive Perspektive. Wien: facultas 2015, S. 122ff.; Karmasin, Matthias/Ribing, Rainer: Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. 9. Auflage. Wien: utb, facultas 2017, S.100ff.; Wytrzens, Hans Karl u.a.: Wissenschaftliches Arbeiten. Eine Einführung. 5. Auflage. Wien: facultas 2017, S. 91ff.

 

Weitere Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten findest du hier:

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