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Macno

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Kurztext / Annotation
Schauplatz des Romans ist die Hauptstadt eines imaginären Landes. Die Handlung spielt im Regierungspalast, wo Macno, ein ehemaliger Rockstar, als Diktator mit seinem Gefolge lebt, als da sind ein Pianist, ein Medienexperte, ein Botaniker, eine Ballerina und ein Schriftsteller, der als Leibwächter fungiert.

Andrea De Carlo, geboren 1952 in Mailand, lebte nach einem Literaturstudium längere Zeit in den USA und in Australien. Er war Fotograf, Maler und Rockmusiker, bevor ihm 1981 mit seinem ersten Roman, Creamtrain Zwei von zwei

Textauszug
[13] Zwei

Liza wirft die Decken zur Seite und steigt aus dem Bett. Sie geht ans Fenster, schiebt die Vorhänge auseinander. Licht flutet ins Zimmer und hellt die Wände auf, von Dunkelblau über Azur zu fahlem Himmelblau. Sie drückt die Nase an die Fensterscheibe und schaut hinaus: auf den rückwärtigen Teil des Parks bis zur fernen Linie der Umschließungsmauer. Sie fährt sich mit der Hand durchs Haar. An zwei, drei Stellen hat sie noch ein leichtes Schmerzgefühl, am linken Arm ist ein blauer Fleck, am rechten Knie eine kleine Schürfwunde. Es erscheint ihr seltsam, hier zu sein, und sie weiß nicht mehr genau, was geschehen ist.

Auf den Zehenspitzen wippend geht sie zur Badezimmertür. Sie betrachtet sich eingehend im Spiegel, hebt das Kinn, dreht den Kopf, untersucht aus der Nähe den Kratzer am Jochbogen, spannt die Lippen. Auf einer Konsole unter dem Spiegel stehen Fläschchen mit verschiedenen Essenzen, Flakons und bunte Glastiegel mit handbeschrifteten, verschnörkelten Etiketten. Liza greift nach einer Honigcreme, schnuppert daran, streicht sich ein wenig davon mit kreisenden Bewegungen der Fingerkuppen auf Stirn und Wangen. Die Creme verströmt einen milden Duft nach Bienenwachs, der zum warmen Licht der Lampen paßt. Es klopft an der Tür.

Liza blickt von Panik gepackt um sich, schnappt ein türkisfarbenes Badetuch und hüllt sich darin ein; rennt ins Zimmer hinüber, sucht nach ihren Kleidern, findet sie [14] aber nirgends; rennt ins Bad zurück, sieht einen Bademantel an einem Haken hängen; eilt wieder hinaus und öffnet die Tür einen Spaltbreit, das Handtuch fest um sich gewickelt.

Draußen steht ein Zimmermädchen mit einem Paket in der Hand. Sie reicht es Liza, sagt: "Bitte schön. Die Kleider in den Schränken dürfen Sie auch nehmen."

Liza nimmt das Paket. "Sie wissen nicht, wo Herr Wesley ist?" fragt sie. "Der Rothaarige, der mit mir gekommen ist?" Sie skandiert die Worte, aus Angst, das Zimmermädchen könne kein Englisch und verfüge nur über ein kleines Repertoire einstudierter Sätze.

Das Zimmermädchen nickt. Sagt flüssig, wenn auch ziemlich nuschelnd: "Dritte Tür links, bei den Treppen." Sie macht eine knappe Verbeugung und verschwindet im Korridor.

Liza reißt das Paket auf und findet darin ihre Strümpfe und ihr Höschen, den grünen Overall, gewaschen und gebügelt und geflickt. Sie wirft alles aufs Bett und öffnet den Wandschrank: Kleider und nochmals Kleider und Röcke und Blusen und Jacken in vielerlei Schnitten, Farben und Stoffen. Sie sieht sie mit der Hand darübergleitend durch, nimmt die rasch wechselnden Tastempfindungen und Farbeindrücke auf, so wie die Stoffe nacheinander zum Vorschein kommen. Sie zögert unschlüssig: zieht ein orange- und violettfarbenes Kleid aus weicher Baumwolle heraus, hält es sich vor die Brust, betrachtet es prüfend im Spiegel an der Schranktür. Sie schlüpft hinein, zupft es zurecht; stemmt die Hände in die Hüften, dreht sich, um sich von der Seite zu sehen. Von einem Haken nimmt sie einen hellen Ledergürtel, schnallt ihn um die Taille. Sie bückt sich, um die Dutzenden von Schuhen zu betrachten, die unten in einem Fach auf einer [15] Messingstange aufgereiht sind. Sie wählt ein lilafarbenes Paar mit mittelhohem Absatz und zieht sie an, mühsam die Ferse hineinzwängend.

Der Korridor ist hell erleuchtet und still; an den weißen Wänden hängen zwei, drei Pop-Stilleben aus den sechziger Jahren. Liza geht unsicher ein paar Schritte, ohne sich erinnern zu können, in welchem Zimmer Ted sein soll. Sie versucht, sich auf die Worte des Zimmermädchens zu besinnen, aber sie erinnert sich nur an diese rasche, nuschelnde Aussprache, die Art, wie sie die Lippen bewegte. Aufs Geratewohl klopft sie an zwei Türen: keine Antwort. Sie geht weiter bis zur Treppe, beugt sich übers Geländer und späht hinunter: zwei graurot uniformierte Wachen stehen bewegungslos auf dem Absatz im ersten Stock. Zög

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Macno
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Veröffentlicht 2012, von Andrea De Carlo bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60230-2
Auflage: überarb. Aufl.
288 Seiten

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