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Saturnischer Tanz

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Kurztext / Annotation
Der katholische Ire Diarmuid Devine hat Frauen immer nur in der Phantasie geliebt. Er ist Lehrer in einer Knabenschule in Belfast, wo eine klösterliche Atmosphäre herrscht. Für die Schüler ist es ein gefundenes Fressen, als Geschichten über Devine zu kursieren beginnen ... Tatsächlich bahnt sich etwas an zwischen Devine und der zwanzigjährigen Una Clarke, der protestantischen Nichte eines Lehrerkollegen ...

Brian Moore, geboren 1921 in Belfast, diente als britischer Soldat in Nordafrika von 1943 bis 1945, war UNO-Beauftragter in Polen von 1946 bis 1947 und 1948 wanderte er nach Kanada aus. 1959 übersiedelte Moore nach Kalifornien. Er starb am 11. Januar 1999 in seinem Haus in Malibu.

Textauszug
{7} 1

Diarmuid Devine, Englischlehrer für die Unter- und Oberstufe, stand am Katheder und ordnete seine Bücher der Größe nach zu einem Stapel. Er klemmte den Rohrstock unter den Ärmel seines Talars und ging zur Tür. In zehn Jahren als Lehrer hatte er gelernt, die jeweils vierzig Minuten einer Unterrichtsstunde abzuschätzen, ohne auf die Uhr zu sehen. Es war soweit. Gleich würde es klingeln. Mit einem letzten Blick ermahnte er die Jungen zur Ruhe. Dann verließ er den Raum.

Im gleichen Moment steckte der Pförtner in seinem kleinen Kabuff an der Seite der Eingangshalle des St. Michan's College einen Schlüssel in den Schaltkasten und drehte ihn um. Eine elektrische Klingel gellte ohrenbetäubend laut durch die Gänge, schellte ungehört in leeren Schlafsälen und echote über nasse Sportplätze hin, um sich in den fernen Nebeln über Belfast Lough zu verlieren.

In der darauffolgenden Stille schien die lange graue Fassade vom St. Michan's zu erbeben. Jungen jeden Alters stürmten auf die Gänge und auf die Treppen, als stünde das Gebäude in Flammen. Priester in schwarzen Soutanen erschienen an Türen und Quergängen, ließen ihre Stöcke sausen, um die Ordnung wiederherzustellen, und trieben Nachzügler auf dem Weg ins nächste Schulzimmer zur Eile an. Es war zehn vor drei. Alle brannten darauf, den Tag zu beenden.

Mr. Devine war diesem Ansturm ausgewichen. Er {8} nahm die Hintertreppe nach unten zum Hauptkorridor. Schnell auf die Lehrertoilette, Wasser lassen ... dann zur letzten Stunde hinüber in die Oberstufe. Macbeth, genau. Und ihre Aufsätze einsammeln.

Als er die Toilette betrat, inspizierte Mr. Devine die Türreihe. Nirgends schauten Füße hervor. Er nahm die zweite Kabine und schloß sich ein, froh, einen Augenblick Ruhe zu finden. Aber er hatte kein Glück. Rumms öffnete sich die Flurtür, und jemand ging zu den Waschbecken. Ein Priester? Er hörte den Jemand ein paar Takte aus Rose von Tralee pfeifen. Das war ein Lieblingssong von Frank Turley, der Geographie unterrichtete.

Rumms flog die Tür wieder auf. Eine Stimme sagte etwas. Diesmal erkannte er ohne Mühe Connolly, einen der jüngeren Mathematiklehrer.

"Sind Sie das, Frank?"

"Ach, hallo."

"Dachte doch, ich hätte Sie reingehen sehen", sagte Connolly. "Sie sind genau der Mann, den ich suche."

Mr. Devine, eingeschlossen in seiner Kabine, starrte die Wand an. Er fragte sich, ob er husten sollte oder so etwas. Aber dann würde er mit ihnen reden müssen. Und er konnte es überhaupt nicht ausstehen, wenn er gezwungen war, sich beim Wasserlassen zu unterhalten.

Er hörte, wie Turley den Wasserhahn aufdrehte.

"Sagen Sie, Frank", fragte der junge Connolly in vertraulichem Ton, "haben Sie was von einer Party heute abend bei Heron gehört?"

"Ich? Nein", sagte Turley.

Mr. Devine nickte mit dem Kopf. Er wußte Bescheid. Tim Heron, einer der älteren Laienlehrer, gab am Abend eine Party, um die Verlobung seiner Tochter mit einem {9} jungen Arzt namens Carty bekanntzugeben. Mr. Devine wußte auch, weshalb Connolly nicht eingeladen worden war. Connolly hatte selbst ein Auge auf das Mädchen gehabt. Es wäre nicht eben taktvoll gewesen, ihn zu einem solchen Anlaß einzuladen.

"Sie haben also auch keine Einladung gekriegt?" fragte Connolly.

"Weshalb sollte ich? Heron und ich waren noch nie dick befreundet", erwiderte Turley.

"Mich hätten sie aber schon einladen können." Connollys Stimme war empört. "Immerhin gehe ich doch praktisch mit Mary."

Mr. Devine war bestürzt in seiner Kabine. Der arme Connolly wußte also noch gar nichts. Ach, der Ärmste. Wahrscheinlich hatte Tim Heron es nicht übers Herz gebracht, Connolly zu sagen, daß die Tochter sich mit jemand anderem verlobte. Verdammt leid tat er ihm, der gute Connolly.

"Na ja, wer ist denn überhaupt eingela

Beschreibung für Leser
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Cover Saturnischer Tanz
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Veröffentlicht 2018, von Brian Moore bei Diogenes

ISBN: 978-3-257-60900-4
Auflage: 1. Auflage
304 Seiten

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