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Der neue Kollektivvertrag für Angestellte im Handel

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Rund 40.000 Handelsbetriebe mit gesamt rund 400.000 Angestellten sind in Österreich in einem Kollektivvertrag vereint. Die Sozialpartner – GPA-djp – Wirtschaftsbereich Handel und WKÖ – Bundessparte Handel – haben sich auf ein neues Gehaltssystem im Kollektivvertrag für Angestellte im Handel und Lehrlinge geeinigt, um den aktuellen Bedürfnissen sowie künftigen Entwicklungen Rechnung ...
Beschreibung
Rund 40.000 Handelsbetriebe mit gesamt rund 400.000 Angestellten sind in Österreich in einem Kollektivvertrag vereint. Die Sozialpartner – GPA-djp – Wirtschaftsbereich Handel und WKÖ – Bundessparte Handel – haben sich auf ein neues Gehaltssystem im Kollektivvertrag für Angestellte im Handel und Lehrlinge geeinigt, um den aktuellen Bedürfnissen sowie künftigen Entwicklungen Rechnung zu tragen.

Seit dem 1.12.2017 können Handelsbetriebe den neuen Kollektivvertrag für ihre Angestellten und Lehrlinge anwenden. Spätestens ab 1.12.2021 gilt das neue Entgeltsystem dann verpflichtend für alle. Eine ausführliche Beschäftigung mit dem Thema ist notwendig, um alle Möglichkeiten in der Umsetzung zu nutzen und die betrieblichen Strukturen abzubilden.

Das neue Beschäftigungsgruppenschema bietet durch klare, auf die moderne Berufswelt zugeschnittene Tätigkeitsbeschreibungen Rechtsicherheit. Nur mehr eine Gehaltstabelle sowie einfache Umreihungs- und Vorrückungsregelungen bringen zudem eine deutliche Vereinfachung.

Die genaue Kenntnis der Übergangsregelungen hilft den geeigneten Zeitpunkt für den Wechsel zu finden. Neben dem rechnerischen Übergang in die neuen Beschäftigungsgruppen und damit verbundenen betriebswirtschaftlichen Überlegungen, könnten auch andere strategische Wechselwirkungen im Unternehmen von Belang sein.

Dieser neue Leitfaden – persönlich verfasst von den sozialpartnerschaftlichen Verhandlerinnen des neuen Kollektivvertrags – stellt alle Neuerungen und Änderungen strukturiert dar und erklärt diese anhand von Einstufungs- und Praxisbeispielen. Eine Wegbeschreibung, Rechenanleitungen und Checklisten erleichtern den „Umbau“ der Ansprüche aller Angestellten. Hintergrundwissen, Hinweise und Tipps der Autorinnen unterstützen die Einführung des neuen Gehaltssystems.

Die 2. Auflage enthält die aktuellen Werte für 2019 und erläutert ergänzend zur Erstauflage alle Änderungen, die im Kollektivvertrag mit 1.1.2019 im Zusammenhang mit dem neuen Gehaltssystem gemacht wurden, wie z.B. die Rückstufung, die Karenzzeitenanrechnung für dienstzeitabhängige Ansprüche oder die Bildungskarenz.

Einführung oder Vorwort
Mit dem neuen Gehaltssystem haben die GPA-djp, Wirtschaftsbereich Handel, und die WKÖ, Bundessparte Handel, einen wichtigen Schritt in Richtung Modernisierung und Weiterentwicklung des Kollektivvertrages für Angestellte und Lehrlinge im Handel gesetzt. Ein mehr als 45 Jahre lang gültiges Beschäftigungsgruppenschema wurde in einem intensiven, gemeinsamen Bearbeitungsprozess den aktuellen Bedürfnissen und den zukünftigen Entwicklungen im Handel angepasst.
Berufseinsteiger profitieren durch höhere Einstiegsgehälter. Die Perspektive rascherer Gehaltsentwicklungen wird mehr junge Mitarbeiter in den Handel locken. Ältere und erfahrene Mitarbeiter werden durch eine neue Methodik in der Anrechnung von Vordienstzeiten leichter eine Beschäftigung finden, da sie für Unternehmen leistbar sind. Damit unterstützt der neue Kollektivvertrag wichtige beschäftigungspolitische Ziele und stärkt die Positionierung des Handels als attraktiver Arbeitgeber.
Durch einen dreistufigen Qualitätssicherungsprozess wurde sowohl die Praktikabilität in der Umsetzung als auch die Ausgewogenheit in der finanziellen Auswirkung für die Unternehmen gesichert.
- In Zusammenarbeit mit dem IBW (Institut für Bildung der Wirtschaft) wurden die aktuellen Tätigkeiten im Handel erfasst und im Detail beschrieben.
- Die Firma Ximes führte im Auftrag der Sozialpartner umfangreiche Datenerhebungen durch. Diese waren Basis für die Modellrechnungen, die Vergleiche des Lebenseinkommens und die Berechnung kurz-, mittel- und langfristiger Kostenauswirkungen.
- Der Praxischeck wurde in mehr als 30 Unternehmen anhand von Echtdaten vorgenommen. Die Sozialpartner, die Geschäftsführung und der Betriebsrat haben in gemeinsamen Terminen die Einstufung der Mitarbeiter ins neue Beschäftigungsgruppenschema getestet sowie Umstiegsszenarien und Kostenentwicklungen errechnet.
Dieser aufwendige Prozess hat sich gelohnt. Das neue Entgeltsystem ist ein ausgewogenes Paket, das den arbeits- und betriebsorganisatorischen Entwicklungen Rechnung trägt. Die beschäftigungsintensive Handelsbranche ist somit zukunftsfit geworden.

Sonja Marchhart
Sozialpolitische Referentin, Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Handel

Anita Palkovich
Wirtschaftsbereichssekretärin, Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier

Wien, im Februar 2019

Textauszug
Kapitel 2: Das Beschäftigungsgruppenschema

2.1 Aufbau des Schemas
Einzelhandel, Großhandel und der Kfz Handel sind vereint in einem Kollektivvertrag. 40.000 Betriebe wenden diesen an. Die überwiegende Mehrheit beschäftigt weniger als 10 Arbeitnehmerinnen. Jedoch beschäftigen knapp 200 Betriebe die Mehrheit der 400.000 Angestellten. Vor diesem Hintergrund verhandelten die Sozialpartner im Handel das neue Beschäftigungsgruppenschema.
Schnell war klar, es braucht etwas ganz Besonderes. Der Handel braucht ein modernes, zukunftsorientiertes Schema, das Arbeitgebern und Angestellten Rechtssicherheit, Transparenz und klare Strukturen bietet.
Die aktuellen und absehbaren arbeits- bzw betriebsorganisatorischen Entwicklungen sowie eine neue Bewertung von Qualifikationen spielten neben der Struktur der Branche die Hauptrollen bei der Erarbeitung des neuen Beschäftigungsgruppenschemas.
Um den Handel und die Vielfalt der Tätigkeiten strukturieren zu können, wurden sieben „Arbeitswelten“ definiert:

- Einkauf
- Verkauf & Vertrieb
- Marketing & Kommunikation
- kaufmännische & administrative Dienstleistungen
- Logistik
- Technischer Dienst
- Informationstechnologie

Diesen Arbeitswelten sind sogenannte Referenzfunktionen zugeordnet. Sie beschreiben ein Bündel an Tätigkeiten und Aufgaben, die für eine einzelne Arbeitswelt typisch, bedeutungsvoll und unverwechselbar sind.
Im nächsten Schritt wurden die Referenzfunktionen bewertet. Mittels Bewertungskriterien wurde eine summarische Bewertung (Gesamtbetrachtung) durchgeführt und die Referenzfunktionen in eine Struktur mit acht Gruppen gebracht. Aus den Bewertungskriterien entstand in weiterer Folge die Beschreibung der Beschäftigungsgruppen und damit die Beschreibung der Fachlaufbahn.

Für die Arbeitswelt „Verkauf & Vertrieb“ gibt es darüber hinaus noch ein Baukastensystem zur leichteren Abgrenzbarkeit der Gruppen und Einordnung von Mischtätigkeiten. Detailliert beschriebene Tätigkeiten gewährleisten Rechtssicherheit und Transparenz bei der Einstufung. Damit wurde das System der summarischen Bewertung mit einer teilanalytischen Vorgehensweise (Betrachtung einzelner Aufgaben, Tätigkeiten) kombiniert.
Durch eine Mindesteinstufung von Angestellten mit abgeschlossener Einzelhandels- bzw kaufmännischer administrativer Lehre haben die Sozialpartner ganz bewusst die Lehrausbildung aufgewertet. Mit der Einbeziehung von facheinschlägiger Ausbildung, wenn diese für die Tätigkeit von Bedeutung ist, wird die Lehrausbildung noch zusätzlich berücksichtigt und das Können von besonders qualifizierten Angestellten bei der Einstufung zu einem wertvollen Gut.
Auch Führung und Stellvertretung wurde mit einer eigens definierten Führungslaufbahn im neuen Schema abgebildet.
Damit stand das Rohschema und der Feinschliff, anhand von Praxischecks in Betrieben der unterschiedlichsten Bereiche des Handels, konnte beginnen.

Übersicht und weitere Details des neuen Beschäftigungsgruppenschemas:

- 8 Beschäftigungsgruppen mit klaren Beschreibungen
- mit 75 Referenzfunktionen wurden typische Tätigkeiten zur Beschreibung der jeweiligen Beschäftigungsgruppe entwickelt
- Bewertungskriterien gewährleisten Transparenz bei der Einstufung
- die Tätigkeit zählt, „überwiegend“ ist kein Einstufungsmerkmal
- Mindesteinstufung für Angestellte mit Einzelhandels- oder kaufmännischer Lehre in Beschäftigungsgruppe C
- Abbildung neuer Funktionen und Einstufungsmerkmale, zB Onlinehandel, Fremdsprachen, Lehrlingsausbildung, …
- klare Regelung für Führung und Stellvertretung
- Weiterbildung zahlt sich aus – Fachkarrieren werden gefördert

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Veröffentlicht 2019, von Sonja Marchhart, Anita Palkovich bei dbv-Verlag (Österreich)

ISBN: 978-3-7041-0732-9
Auflage: 2. Auflage
160 Seiten
24 cm x 17 cm

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