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Schweig wie ein Grab

Ein Bestatter-Krimi

Cover Schweig wie ein Grab
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Kurztext / Annotation
Ein einsames Kloster im Wald, Nacht, Nebel über dem alten Kirchhof, auf dem sich seltsame Gestalten zu schaffen machen: Viktor und Tobias Anders, die Bestatter, haben einen Deal mit dem in der Fränkischen Schweiz lebenden Schweigeorden der Karthäuserinnen. Stirbt eine der wenigen Nonnen, die noch im Kloster leben, bahren die anderen sie auf und ziehen sich zurück, bevor sie jemand zu Gesicht bekommt. Dann kommen die Bestatter, um die Tote allein auf dem klostereigenen Gottesacker zu begraben. Doch als Viktor und Tobias das Grab ausheben, finden sie eine Leiche, die dort nicht hingehört ...

Tessa Korber, 1966 in Grünstadt in der Pfalz geboren, studierte in Erlangen Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaften und promovierte im Fachbereich Germanistik. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Nürnberg.

Textauszug

Viktor Anders hob den Kopf und lauschte. Neben den Geräuschen der Kühlung, die die Leichen in ihren Fächern frisch hielt, war das helle Zwitschern einer Amsel zu vernehmen, das den Tag verabschiedete. Viktor musste nur diesen Laut hören, um zu wissen, dass draußen im Garten die Abenddämmerung zwischen den Kieferbäumen stand und der Himmel über dem Dach ihres Hauses tief dunkelblau wurde.

Fürsorglich strich er der alten Dame die blond gefärbten Löckchen aus der Stirn. "Dann wollen wir mal Schluss machen für heute, Frau Müller." Er hob den Lippenstift gegen das Licht, von dem Herr Müller gesagt hatte, seine Frau hätte das Haus niemals verlassen, ohne ihn aufzulegen. Er war viel zu grell.

Frau Müller hatte die Augen geschlossen und die Hände auf der Brust verschränkt. Sie würde sich in diesem Leben nicht mehr zu Kritik an ihrem Geschmack äußern.

Viktor deckte die Frau wieder zu, das leuchtende Lippenrot, die bis unter die gezupften Brauen türkisfarben geschminkten Lider, die Dauerwelle mit der Glitzerspange im Haar. Sie war das Ebenbild der Frau auf dem Foto, das ihnen als Schminkvorlage gedient hatte und das er ihr nun auf die Brust legte, ehe er sie wieder in ihr Kühlfach schob. Ihr Leben lang hatte sie versucht, die junge Frau von zwanzig Jahren zu konservieren, als die sie sich immer gesehen hatte. Jetzt, im Tode, war dieser groteske Versuch endgültig zu etwas geronnen, dem man nur mit Schrecken begegnen konnte. Oder mit Rührung.

"Gute Nacht", murmelte Viktor und machte sich auf den Weg nach oben. In der Küche holte er sich eine Flasche Rotwein und ein Glas. Damit wollte er sich auf die Terrasse des alten Hauses setzen, in dem er zusammen mit seinem Onkel und seiner Tante wohnte. Die beiden im linken Flügel des ersten Stockes, er im rechten. Das Erdgeschoss und den Keller teilten sie sich mit den Toten.

Die Verstorbenen waren keine unangenehme Gesellschaft, fand Viktor. Er war schon vieles gewesen in den letzten zehn Jahren: Kellner, Pfleger, Wahrsager, Automechaniker, Drogendealer, Spülhilfe, Erntearbeiter, Surfbrett-Verleiher und Schüler eines Haiku-Meisters. Nirgends war er lange geblieben, immer auf Wanderschaft. Heimgekehrt war er auch nur, weil seine Eltern gestorben waren. Weniger, um sein Erbe anzutreten, als um alte Rechnungen zu begleichen und Antworten zu erhalten, auf Fragen, die er noch gehabt hatte. Was er gefunden hatte aber war ... Er hielt inne und dachte nach, ehe er den ersten Schluck Wein nahm. So etwas wie wachsenden Frieden? Gab es das überhaupt?

Bäume wuchsen. Menschen auch, bis etwa zum 18. Lebensjahr. Wie nannte man das, was danach geschah - oder auch nicht? Er spitzte die Ohren und hörte jetzt das regelmäßige Quietschen des Trampolins, auf dem sein Cousin Tobias sich austobte, um später besser einschlafen zu können. Tobias war schon achtzehn, aber noch immer war der Schlaf ein böses Monster für ihn, gegen das er jeden Abend kämpfte, so lange es ging.

So waren die Menschen, dachte Viktor und nahm einen tiefen Schluck. Sie zappelten herum, fochten die sinnlosesten Kämpfe aus, und am Ende fielen sie einfach um. Wie Frau Müller.

"Prost", sagte er laut, als er an die alte Dame dachte. Wenn sie jetzt hier neben ihm im Zimmer aufgetaucht wäre, ein wenig durchsichtiger als die Rosenbüsche vor dem Fenster, mit lautlos wabernden Umrissen, um sich neben ihn zu setzen, er hätte ihr ein Glas hingestellt. Vielleicht hätte er mit ihr über ihren Geschmack in Sachen Styling gesprochen, ganz dezent natürlich. Vermutlich wäre sie dann beleidigt gewesen. Im Umgang mit Frauen, lebend oder tot, hatte er einfach kein glückliches Händchen.

Viktor nahm einen zweiten Schluck. Ah, tut das gut, dachte er nur, sonst nichts. Die Amsel sang. Das Geräusch des Trampolins. Es wurde Nacht.

Mit dem siebzehnten Schluck spannte Viktors Seele unbeholfen ihre Flügel aus und setzte zum Landeanflug auf unerforschtes Gelände an. Auf einmal schrie Tobias wie e

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Cover Schweig wie ein Grab
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Veröffentlicht 2018, von Tessa Korber bei btb

ISBN: 978-3-641-21429-6
256 Seiten

Über Tessa Korber

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